Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 170)
- Language
- German
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168 das Joch des Himmels auf sich nahm, wird von kaum Einem noch verstanden! Fern liegt es auch dem religiösen Juden, den heiligen Stoff aus T'nach und Talmud in Malerei oder Bildwerk auszudrücken. Das Gestalten religiöser Stoffe war stets Sache unfrommer Künstler oder wenigstens solcher, die das Dienen nicht so sehr ernst nahmen. Wer dem Schöpfer von Herzen dient, der malt ihn nicht auf Leinwand und wer die Gebote halten will, der zeichnet nimmer einen Mosche rabbenu mit Kreide auf den lithographischen Stein. Meine Ehefrau ist eine hochbegabte Portrait- und Landschaftsmalerin; wichtiger ist ihr freilich die Betreuung des Kindes und der rituelle Haushalt und die „Schemone essre" vernachlässigt sie trotz alledem nicht und betet sie genau nach der Vorschrift des Schulchan Aruch. Und wenn ich eine Berakha sage — und ich sage jeden Tag viele Berakhot — dann antwortet sie jedesmal laut mit „Amen", oder wie wir sagen: „Omeen", und das gilt mehr, als wenn sie selber die Berakha gesagt hätte. Wir Juden loben den Herrn der Welt auch bei traurigen Anlässen. Kommt nun eine Unglücksbotschaft aus den Ländern der Zerstreuung oder aus Erez Israel, so bete ich den Segensspruch mit „Dajan Haemeth". Meine Frau respondiert: „Omeen" — dieses „Omeen" aber hat höheren Wert, als alle ihre kultivierten Malereien und Radierungen. Es findet einen Widerhall, droben, in ewigen Räumen. —«»—