Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 171)
- Language
- German
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169 Jüdische Künstler malen ihre Elfern. Von WILL PLESS, Berlin. Es ist viel darüber geschrieben und gestritten worden, ob es in der Gegenwart eine jüdische Kunst gibt oder nicht. Uberblickt man die in Technik, Auffassung, Temperament und Thema so sehr verschiedenen Werke der jüdischen Künstler unserer Zeit, so kann man schwerlich ein Spezifikum, eine gemeinsame Note wahrnehmen, die dazu berechtigen würde, alle diese Schöpfungen in eine Einheit „Jüdische Kunst" einzuordnen. Wenn ein äusserlicher Kontakt also offenbar nicht besteht, bleibt die Frage einer inneren Verbindung, einer vielleicht gemeinsamen Mentalität und Wesensverwandtschaft offen. Aber diese Frage ist problematisch, weil ihre Beantwortung nur dem Gefühl und Sehen des einzelnen Betrachters und nicht einer allgemein gültigen Erkenntnis unterliegt. Man sollte daher am besten Schöpfungen jüdischer Maler im allgemeinen nicht vom Blickpunkt „Jüdischer Kunst" sehen, sondern als Werke jüdischer Künstler. Was „jüdisch an sich" ist unter diesen Werken, was etwa jüdischen Glauben, jüdisches Leben, jüdische Heimat besingt, behält seine Sonderart auch ohne Klassifizierung. Freuen wir uns ohne systematische Experimente der Leistung der jüdischen Künstler, die in der kurzen Zeit der Emanzipation unerhört voranschritt! Freuen wir uns des Schaffens, das am alten Stamm junge lebendige Blüten treibt, ob es nun die farbige Pracht der Natur, das Leben unserer Tage oder die Welt der Väter widerklingen lässt! Namen wie Pissaro, Israels, Liebermann, Pascin dürfen wir zu den unseren rechnen und auch in diesem Reiche der Kunst die Vielfältigkeit jüdischen Geistes und sein Suchen nach Vervollkommnung erkennen. Trotz dieser Auffassung von der Notwendigkeit grundsätzlich allgemeiner Wertung bleibt es interessant und aufschlussreich, die Schöpfung jüdischer Künstler in einem Teilgebiet zu betrachten, zu dem