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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 157

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 157 (sequence 159)
Language
German
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157 typische Gestaltung, die den Bedingungen unserer Zeit entspricht...." Der Wiener Hugo Gorge, der Urheber eines preisgekrönten Entwurfes für die Synagoge in Hietzing, fasst zunächst das Wesen der Sache ins Auge: „Das Charakteristische der alten Synagogen — dies ist der Ausgangspunkt seiner Meinung— bestand darin, dass das ewig Gleichbleibende, von allem zeitlichen Wandel Unveränderliche des jüdischen Gottesdienstes auch in der baulichen Anlage ohne Rücksicht auf ihre Erbauungszeit zu vollem Ausdruck gelangte. Das Wesen des jüdischen Gottesdienstes liegt in der Vermittlung der heiligen Schrift durch das Vorlesen der Thora. Deshalb befindet sich in allen alten Synagogen der erhöhte Vorleseplatz (Almemor) in der Mitte des Betraumes, um den sich als geistigen und räumlichen Mittelpunkt die Sitze anordnen. Dieser Vorleseplatz ist gewöhnlich durch ein Gitter abgeschlossen, an welchem herabhängende Lampen angebracht sind. An der Ostwand des Betraumes steht die Bundeslade, in der die Thorarollen aufbewahrt werden. Sie war nach der Beschreibung, die im Exodus von ihrer Herstellung gegeben wird, eine tragbare Truhe mit Handhaben. Es entspricht daher nicht der alten Tradition, sie als fest eingebauten Wandschrank auszubilden. Wenn auch heute nicht mehr die Vorbedingungen für das Mitführen der Bundeslade gegeben sind, sollte doch als Symbol die alte Form beibehalten werden. Um die Aufbewahrungsstelle der Bundeslade gruppieren sich die rituellen Lampen und Lichter. Der Almemor mit den Lampen hat den Raum, der im. übrigen — Gorge spricht von seinem Entwurf — durchaus sachlich als Saal behandelt ist, seinen Charakter zu geben. Jeder Anwesende nimmt in gleicher Weise am Gottesdienste teil, bis auf die Frauen, die vollständig gesondert den Frauenraum betreten müssen, der nur durch kleine Öffnungen und Gitter den Blick nach dem Männersaale gestattet. Die Bundeslade soll niemals dem Eingang gegenüber aufgestellt sein, damit sie nicht gesehen wird, bevor sich der Eintretende in der Synagoge befindet.

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