Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 158)
- Language
- German
- Belongs to
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156 liehe Grund hierzu ist die Erweiterungsmöglichkeit des nicht übermässig grossen Haupttempels an den Feiertagen; der gottesdiensttechnische Vorteil liegt darin, dass für die normalen Gottesdienste, durch Abschliessung der Wochentagssynagoge mit Klapptürwand, der Hauptraum verkleinert und akustisch viel günstiger wird. Ein weiterer wirtschaftlicher Gewinn ist die Benutzungsmöglichkeit der gleichen Vorräume und Garderobeanlagen für Haupt- und Nebensynagoge. Die Galerien sind so eingefügt, dass keine auf den Hauptraum drückende Wirkung entsteht (letzteres ein sehr häufiger Fehler) und dass grosse Freiheit des Tempelraumes erzielt wird. Die klare Würfelform des Tempels ist durch eine horizontale Holzdecke abgeschlossen (die akustisch von grosser Bedeutung ist). Wesentlich für die feierliche und geschlossene Raumstimmung ist das Nichtvorhandensein eigentlicher Fensteröffnungen. Es ist vielmehr der obere Teil der seitlichen Raumwände in eine enge Reihung schmälster Lichtschlitze aufgelöst, durch welche das Tageslicht fein gespalten, ohne Blendwirkung und doch reichlich eindringt. In reicherer Weise ist nur die breiter gelagerte Ostnische ausgestaltet gedacht, welche die Fassung der gottesdienstlichen Handlung bildet; hierauf findet die Konzentration der Andächtigen statt. Der Chor ist, ohne sich wichtig vorzudrängen, in die obere Ostwand in ruhiger, wagrechter Schlitzform eingeschnitten. Es ist in allem eine herbe Gebundenheit und Geschlossenheit angestrebt; in dem Gott geweihten Sammlungs- und Versammlungsraum, aufgelockert durch Farbe und zerstreutes Licht, soll weihevolle Feierlichkeit herrschen, ohne Lauheit und ohne Prunk. Ich hoffe durch diese letzte Arbeit, die auch besondere Anerkennung in Fachkreisen gefunden hat, eine neue und wesentliche Anregung zur weiteren Entwicklung unseres Kultbaues zu geben. Ich meine, dass gerade in der angestrebten Selbstbescheidung der Bauform und der Mittel ein Weg gegeben sei für eine