Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 153)
- Language
- German
- Belongs to
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151 Es entstand wieder einmal eine Reihe von prunkvollen Schaustücken in den verschiedensten Stilarten, sehenswürdig, aber unerlebt und darum auch unlebendig. Es entstand eine Reihe effektsüchtiger Demonstrationen. Der religiöse, der inwendige Sinn, der von Natur aus einer solchen Veräusserlichung entgegenstand, blieb von Anfang bis zuende beiseite. Doch nun sind wir endlich so weit. Seit fünf oder mehr Jahren wird überall, an weit von einander gelegenen Punkten der jüdischen Welt, in der neuen zeit- und selbstgerechten Weise gebaut. Schon die Art der Ausschreibung bei den Wettbewerben — 1925 für Hietzing, soeben für Zürich unter der Jury von Erich Mendelsohn — ist korrekt und einsichtig geworden. Und das ist vielleicht das Wichtigste. Denn es zeigt, dass man den Gedanken der Sache erfasst hat. Dass man zu diesen Konkurrenzen nur jüdische Architekten einlädt, braucht nicht weiter erklärt zu werden; denn es gehört zur Natur der Aufgabe, die Betrauung nichtjüdischer Architekten würde von vornherein die Innerlichkeit des Unternehmens in Zweifel setzen. (Keine andere religiöse Gemeinschaft würde ohne zwingende Gründe ihre Kirche von einem Andersgläubigen bauen lassen; trotzdem ist dies in dem vorerwähnten Fall bei einer Synagoge jüngsten Datums geschehen!) Schwierigkeiten noch genug. Aber unser Tempelbau hat die ärgsten Hindernisse schon hinter sich. Er ist auf gutem Wege. Schon liegen, für Antwerpen, Hietzing und Hamburg, treffliche Entwürfe vor. Schon haben in den neuen Vierteln von Amsterdam Harry Elte und Jacob S. Baars, im bayrischen Plauen der Münchener Fritz Landauer ihre modernen Synagogen errichtet, Bauwerke von charaktervoller Gestalt und reiner Kunstgesinnung, bedeutsam auch durch den sehr verschiedenen religiösen Geist, der hier nun wieder ais innerer Antrieb und als Rechtfertigung der Bauform zutage tritt. Bauleute dieses Schlages werden alle Beteiligten — und das ist vielleicht die Gesamtheit der Juden — besser in das Wesen der neuen Synagoge einführen