Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 152)
- Language
- German
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150 KUNST Die neue Synagoge. Von Univ. Prof. Dr. MAX EISLER. Nun endlich sind wir so weit. Unser Tempelbau hat den gleichen Schritt mit der neuen Baukunst gefunden. Seit dreissig Jahren ist diese neue Bauweise im •Gange. Es begann mit der Loslösung vom Historischen, mit der Selbstbesinnung und Selbsterkenntnis. Dann folgte die Aufstellung der neuen Grundsätze, der neuen, einfachen Grundformen. Aber schon seit zwanzig Jahren ist man über diese Vorstufe der elementaren Klärung hinaus und allenthalben, in Amerika so sehr wie bei uns oder in Russland, damit beschäftigt, das Bauen auf der neuen sachlichen Linie immer reiner zu entwickeln,— zum reellen und doch auch rhythmischen Gestalten, also zur Kunst. Indes, wir Juden haben bis vor kurzer Zeit von der neuen Blüte der Architektur so gut wie keinen Gebrauch gemacht. Sonst schnell, meist zu schnell und am unrechten Fleck, für jedwede Neuerung zu haben, sind wir in dieser Sache — wieder einmal am unrechten Fleck — hartnäckig beim Hergebrachten verblieben. Und das, trotzdem uns eine prächtige Menge moderner jüdischer Architekten, Leute der besten Begabung, zur Verfügung stand. Unsere Gemeindeväter hätten nur zugreifen müssen. Aber sie mochten nicht. War irgendwo eine neue Synagoge zu bauen, dann dachten sie sofort an einen „Stil" und meistens auch an eine Kuppel. (Auch unlängst erst ist in der Tschechoslovakei, nach diesem gedankenleeren Gebrauch ein Synagogenbau ins Werk gesetzt worden.) Das Ergebnis entsprach den Wünschen.