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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 143

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 143 (sequence 145)
Language
German
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…/4919024-4919342--0463-4919487
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143 jüdischen Inschriften lassen erkennen, dass der Akt der Trauung in der Synagoge vor sich ging. Die griechisch-römische Umgebung wird also hier auf die Juden eingewirkt haben. Bei den Christen, das wissen wir, hatte das römische Gesetz eine nachhaltende Wirkung, und da wird es erst recht geschehen sein, dass die Copulation in der Kirche vor sich ging, man nennt sie doch auch »kirchliche« Copulation. Es ist in solchen Dingen schwer anzugeben, woher eine bestimmte Religionsgemeinde ihre Ansichten und Gebräuche genommen hat, denn Gebräuche der Völker, die sich auf Geburt, Hochzeit und Tod beziehen, sind gewiss ungemein alt und erweisen sich ungemein zäh, ohne jedoch in Äusserlichkeiten unwandelbar zu sein. Die Copulation in der Synagoge ist keineswegs rabbinische Anschauung und keineswegs ist ein Rabbiner dazu notwendig, denn heute noch kommt es vor, dass die Trauung in einer Privatwohnung celebriert wird und heute noch ist es üblich in altmodischen Gemeinden, dass verkündet wird, Rabbiner X Y des Ortes X Y wird mit der Vornahme der Trauung beehrt, also ist es nur eine Beehrung, die dem Rabbiner zuteil wird, aber keineswegs sein Recht. Wenn das heute so ganz anders geworden, so deferieren wir damit bloss dem staatlichen Gesetze, und dieses ist wiederum durch die christliche Weltanschauung beeinflusst worden. Bei dem Eheringe haben wir es durchaus mit einer fremden Sitte zu tun. Wenn ein Jude in talmudischer Zeit sich ein Weib »kaufte«, so war der Kaufpreis irgend ein Wertgegenstand, und in konkreter Form werden erwähnt ein Myrtenzweig, ein Stück Marmor, ein Stück Baumwolle, eine Dattel, ein Becher Weins und dergleichen; wo ist da die Rede von einem Ring? Wenn 03 hoch herging, schenkte der Bräutigam der Braut ein schönes Seidenkleid, denn danach, so heisst es ausdrücklich, haben die Frauen ein besonderes Verlangen. Ein goldener Ring freilich ist auch etwas Schönes, aber davon wird nie gesprochen. Vom Eheringe unter den Juden wird erst gesprochen um die Mitte des zwölften Jahrhunderts, und da steckte man schon tief im christlichen Mittelalter und in der christlichen Sitte.

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