Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 143)
- Language
- German
- Belongs to
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141 nun die Braut vor den Blicken des sie segnenden — Rabbiners verhüllt sein? Das ist nicht anzunehmen. Man findet auch, dass die Braut an ihrem höchsten Freudentage mit dem Bedecken ein Zeichen der Trauer auf sich nehmen soll (denn um Jerusalems wegen soll man immer an die Trauer denken, und aus gleichem Grunde gibt es auch in der Kleidung des Bräutigams manche Kennzeichen und darum wird von ihm z. B. auch ein Glas zerbrochen), aber auch das ist kein plausibler Grund. Ich vermute, dass wir es auch hier mit einer uralten Sitte zu tun haben. Die Stelle Ezechiel 16, 8 (vgl. Ruth 3, 9) beweisst uns, dass ehemals der Mann auf das nackte Frauenzimmer sein Kleid gebreitet hat, um dessen Scham zu bedecken; dann erst trat er in ein Bündnis zu ihr. So unglaublich es klingt, dass ein Frauenzimmer vorher völlig nackt ging, (wird übrigens auch in der Pessach- Haggada citiert), so lässt jene Bibelstelle doch keinen Zweifel übrig, zugleich aber lässt sie durchschimmern, dass es sich um ein kleines Mädchen handelt, das, da die Zeit der »Liebe« gekommen, von dem Manne erkoren und mit seinem Tuch bedeckt wird. Da es heisst »ich breitete mein Tuch über dich aus«, so ist das Bedecken des Kopfes etwas, was diesem Ausbreiten gleichkommt. Bei fortschreitender Zivilisation konnte natürlich von sowas wie Bedecken der Scham nicht mehr die Rede sein, und so vergass man den eigentlichen Grund des Bedeckens; auffallend ist nur, dass in den halachischen Quellen absolut nicht davon gesprochen wird, und wie kam man im Mittelalter dazu, eine solche Sitte zu erneuern? Darauf lässt sich aber erwidern, dass z. B. auch jene »Nussgarten«- Berakha vom Talmud nicht genannt wird, die Geonim aber sie dennoch als a 11 e Tradition ausgeben. Der Ehering, den man in dieser Reihe nicht übergehen darf, kann ein hohes Alter nicht beanspruchen. Er ist in jüdische Kreise allem Anscheine nach erst im Mittelalter und aus christlichen Kreisen gekommen. Dass aber der Bräutigam ihn als Wertgegenstand der Braut übergibt, beruht auf der bekannten Formel in der Mischna, dass eine Frau mit drei Dingen erworben (wörtlich gekauft) wird, und