Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 141)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Das Zurückgreifen auf das Paradies kommt noch in einem allerdings weniger bekannten Moment zum Ausdrucke. Die frühesten Geonim berichten, dass angesichts einer Jungfrau noch eine Berakha gesagt wurde, deren wichtigsten Worte also lauten: »der da einen Nussgarten gepflanzt hatte im Garten Eden«... Der »Nussgarten« ist ein Motiv, welches aus Hohelied 6, 11 genommen wurde, wo, nebenbei gesagt, auch von einem »verschlossenen Quell« die Rede ist, in dem Sinne, wie auch die Nuss die Jungfräulichkeit symbolisieren soll. Für uns ist dabei die Hauptsache, dass wiederum an den Zustand im Paradiesgarten erinnert wird. Was ist nun die Chuppa im antiken Sinne? Ein Zelt, ein Baldachin, ein Bett, eine Brautkammer und dgl. mehr ist sie einmal nicht; was denn? Als Motiv im Paradiesgarten ist sie am ehesten als ein prächtiges Gartenhaus zu bezeichnen, in der herrlichen Umgebung ein verschwiegenes trautes Nest, geschaffen zur Lust u. Wonne eines glücklichen Menschenpaares. Wenn wir es mit einem einzigen modernen Ausdruck bezeichnen wollen, wird etwa »Kiosk« (persisch »köschk«) dafür zu sagen sein. Kiosk ist etwas wie ein Lustschloss oder zeltartiger Gartenbau, rund oder vieleckig, gewöhnlich auf Säulen ruhend, dazwischen offen oder mit Gitterwerk verschlossen. Am äussersten Teil der oberen Gemächer der orientalischen Paläste befindet sich fast immer ein Kiosk, der wie ein Erker vorsteht. In Parkanlagen sind auch bei uns Kioske in türkischem oder chinesischem Geschmacke üblich; unsere Alten kannten diejenigen, die in Persien üblich waren — rührt doch selbst das Wort »Paradies« aus dem Persischen her! Namentlich der Charakter als Anbau kommt auch qüellenmässig in all den Fällen zum Vorschein, wo es heisst, der Vater habe dem neuvermählten Sohne an seinem Hause eine Chuppa gebaut, dies mehr oder weniger prächtig, je nach den Vermögensverhältnissen. In späterer Zeit ist das alles vergessen worden. Auch schon zur talmudischen Zeit gebraucht man das Wort »Chuppa« in allerlei abgeändertem Sinne, und selbst der bekannte Spruch in der Mischna »zu 18