Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 140)
- Language
- German
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138 Sinn dieses Ritus. Das erste Menschenpaar, so stellt es sich die Uberlieferung vor, hat seine Hochzeit im Garten Eden in einer solchen Chuppa gefeiert — Grund genug, dass wir stets daran anknüpfen. Dieser Gedankengang ist einzig würdig des Judentums, das, konservativ und bibelgläubig, seinen Hochzeitsritus an das älteste und für die Menschheit wichtigste Ereignis dieser Art anlehnt. Man sehe sich auf das hin alle Midraschim an, die zu jener Genesisstelle zur Belehrung der künftigen Menschheit etwas hinzudichten, z. B. zu dem Worte »und er (Gott) brachte sie (die Eva) zu Adam«, womit sich Gott gleichsam zum schoschbin (Beistand, Paranymphen) des Adam gemacht habe, hiemit wiederum einen späteren Ritus aus der Anfangszeit ableitend. Die sechste Berakha nun dankt dafür, dass Gott die Freude überhaupt erschaffen hat, hat also wieder keinen Bezug auf das gegenwärtige Brautpaar. Dennoch kann uns gerade da noch ein Satz interessieren, der uns über das Wesen der Chuppa belehren kann. »Möge alsbald ... in den Städten Judas und in den Strassen Jerusalems gehört werden die Stimme der Freude und Lust, die Stimme des Bräutigams und der Braut, die Stimme des frohen Jubels der Bräutigame aus ihren Chuppoth heraus, und der Jünglinge aus dem Gesänge ihres Hochzeitsmahles heraus« ... Da sieht man, dass die Chuppa nicht etwa »Brautgemach« ist, wie Viele wollen, also die Kammer, in die der Bräutigam eingeht, sondern Wohnstätte des Bräutigams, die ihm, wie aus anderweitigen Quellen hervorgeht, vom Vater in Form eines Zubaues zum väterlichen Hause, als Hochzeitskammer eingerichtet wurde. Die Jünglinge, die noch weiter in der Berakha erwähnt werden, sind, die fröhlichen Kumpane des Bräutigams, die nicht nur den Hochzeitszug mit ihrem Tanz und Spiel verherrlichen, sondern den Bräutigam bis in sein Haus begleiten und die ganze Hochzeitswoche mit ihm schmausen. Nicht wörtlich, aber dem Sinne nach richtig heisst es auch in Mannheimers Ubersetzung: »fröhlicher Jubel beim bräutlichen Zuge, Klang und Gesang der fröhlichen Jugend beim hochzeitlichen Mahle.«