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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 136

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 136 (sequence 138)
Language
German
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136 Die Männer der Aggada haben sich nun in der Weise auch das Paradies des ersten Menschenpaares .ausgemalt, und mit Recht, denn das von Gott geschaffene Paradies musste doch zumindest so schön sein, wie das von Menschenhand geschaffene, wenn dessen Schöpfer auch der König von Tyrus war. Daher die phantastische Ausmalung, daher auch die Annahme, dass jedes Gestein eine Chuppa für sich bedeutet, so dass zehn, bezw. elf und dreizehn Chuppas herauskommen. Diese Art von Ausschmückung wollen wir auf sich beruhen lassen, nur ein Detail soll uns noch beschäftigen, die Angabe nämlich (Pesikta* Rabbati 163a), dass aus jeder Chuppa vier Ströme hervorbrachen, je ein Strom mit Wein, Honig, Milch und feinem Balsam — kann es deutlicher zum Ausdrucke gebracht werden, dass das Paradies mit seinen vier Strömen auch darin nachgebildet werden soll? Nun gibt es aber auch ein himmlisches Paradies, und die darin Lebenden werden in eben solche Chuppas versetzt, also der Messias, alle Seligen usw. Mohammed hat die richtigen Konsequenzen daraus gezogen, und lässt sein himmlisches Paradies von eben solchen vier Strömen durchzogen sein, also von Strömen, die Wein, Honig, Milch und Balsam mit sich führen (Koran 47, 16), mit Götternahrung gleichsam, wenn wir griechisch-mythologisch reden wollen, mit paradiesischer Lust, wenn wir bei den Vorstellungen der Bibel und der Rabbinen bleiben wollen. Damit haben wir auch schon die Antwort auf unsere Fragen gefunden: die Chuppa aller Zeiten soll uns die erste, die paradiesische Chuppa vortäuschen, die Hochzeitler sollen sich, gleich dem ersten Menschenpaare, im Paradiese dünken! Dass dem wirklich so ist, ersehen wir aus einer bezeichnenden Einzelheit. Es wird erzählt, dass sichs reiche Leute nicht nehmen Hessen, im Hochzeitszuge Wein und Oel durch Kanäle und Leitungen ausfliessen zu lassen; woher diese bizarre Idee? Man hat bisher absolut keine Erklärung dafür gefunden, so dass man sogar meinte, der Weg solle durch Wein und Oel aufgespritzt werden, um den Strassenstaub niederzu-

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