Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 135

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 135 (sequence 137)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4919024-4919342--0455-4919479
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

135 setzen soll. Wenn das der Fall ist, wozu noch die Chuppa? Und welche neue Symbolik hat man für sie gefunden? Gar keine! Jenes Alleinsein begründet übrigens der Talmud damit, dass der Mann die Gelegenheit habe, über die natürliche Schamhaftigkeit der Frau die Herrschaft zu gewinnen, und das sollte in unserer Chuppa, ja auch nur in jener separaten Speisung zu erreichen sein? Man sollte doch meinen, dass das wirkliche Brautgemach der richtige Ort dafür sei. Doch, genug der Fragen, die zu nichts führen. Es muss unbedingt zu erkennen sein, dass die Alten mit ihrer, Chuppa nicht das meinten, was wir heute darunter verstehen. Was die Alten unter Chuppa verstanden, wird aus einigen Midrasch-Stellen sofort ersichtlich sein. Die Chuppas der Alten werden hauptsächlich in Verknüpfung mit Adam und Eva, dem ersten Menschenpaare, also im Paradies erwähnt. So in Baba Bathra 75a und Leviticus Rabba 20, 2 und an mehreren Parallelstellen, wonach Gott dem Adam im »Gan Eden« zehn, nach Anderen elf, beziehungsweise dreizehn Chuppoth bereitet hat, das heisst, das erste Brautpaar durfte nacheinander zehn und mehr Brautgemächer beziehen, eines prunkvoller als das andere. Sie lebten ja im Paradiese, und ihre Lust und Wonne werden nicht nach gewöhnlichen Maßen gewonnen. Gar prunkvoll werden diese paradiesischen Chuppoth ausgemalt; es herrscht dabei eine Phantasie, der wir nicht in allen Stücken folgen können. Die Schilderung geht von Ezechiel 28, 13 aus, der einzigen Stelle, wo noch ausserdem »ein Gan Eden Gottes« (Eden Gan. Elohim) erwähnt wird. Der König von Tyrus hat sich nämlich eingebildet, er habe sich selbst ein irdisches Paradies geschaffen, dessen Beschreibung wie folgt lautet: »Du bist im Lustgarten Gottes, und mit allerlei Edelgesteinen geschmückt, nämlich mit Sarder, Topasen, Demanten, Türkis, Onychen, Jaspis, Saphir, Amethist, Smaragden und Gold. Am Tage, da du geschaffen wurdest, mussten da bereit sein bei dir dein Paukenwerk und Pfeifen.«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.