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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 134

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 134 (sequence 136)
Language
German
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134 wie man es heute noch tausendfältig macht, viel eher etwas, was uns an das Himmelsdach über unseren Köpfen gemahnen kann, ein Schirm auch, der vor Sonnenglut und Regenguss schützen soll. Für die aufgeworfenen Fragen findet man nirgends eine Antwort. Nach gewissen talmudischen Bestimmungen, die von einem Alleinsein des Brautpaares vor ihrer Vereinigung sprechen (hebräisch jichud), sieht man in der Chuppa auch das »Brautgemach« oder die »Brautkammer«, den Thalamos der Griechen, was Andere weiter zu dem Irrtum geführt hat, dass die Chuppa ein Himmelbett oder Brautbett sei. Nichts wäre falscher als das. Aus den wenigen, aber immerhin genügenden Andeutungen, die wir in der Bibel selbst besitzen, noch mehr aber aus den zahlreichen Ausführungen, die Talmud und Midrasch dieser Sache widmen, geht unzweifelhaft hervor, dass die Chuppa ein fester Bau ist. Man nehm j z. B. den bekannten Bibelvers Joel 2, 16: Es geht hinaus der Bräutigam aus seiner Kammer (Cheder) und die Braut aus ihrer Chuppa, wo nach dem Gesetze des Parallelismus Chuppa gleichbedeutend sein muss mit Kammer, oder die Stelle Psalm 19, 6, wo hochpoetisch die am Morgen in strahlender Schöne aus ihrem »Zelt« (daselbst vorher) hervorbrechende Sonne verglichen wird mit dem Bräutigam1), der am Morgen aus seiner Chuppa herausgeht, und ein Zelt ist doch kein Bett und Hinausgehen tut man nur aus einem Gemach, während man vom Bett höchstens hinuntersteigt. Wie ist nun unsere heutige Chuppa von der Chuppa der Bibel und des Talmud verschieden? Wie soll ein vor versammelter Gemeinde und vor aller Welt aufgestelltes, noch dazu von allen Seiten den freien Blick nicht abwehrendes Zelt jenes tete ä tete, jene chambre separee vorstellen, die angeblich der Sinn der Chuppa sein sollen? Das Unmögliche dieser Sache haben auch manche schon eingesehen, und lassen, wie bekannt, vor der allgemeinen Mahlzeit Braut und Bräutigam im stillen Kämmerlein ihr Huhn verzehren, was nun jenes geforderte Separiertsein er- 1) sehemesch Sonne ist im Hebräischen männlich.

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