Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 131)
- Language
- German
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129 soll. Wenn z. B. gesagt werden soll, dass der Gottesbote dem Bileam auf eben die Art gegenübertritt, wie Bileam seiner Eselin gegenübergetreten ist, so geschieht das dadurch, dass in beiden Fällen immer wieder dieselben (zum Teil recht seltenen) Wendungen gebraucht werden. Dieses „Formgeheimnis des biblischen Stils", das ich „im Übersetzen entdeckt" hatte (ich zitiere Rosenzweig), hat Rosenzweig wieder in einem bedeutenden Aufsatz („Das Formgeheimnis der biblischen Erzählungen", veröffentlicht im „Kunstwart" vom Februar 1928), meine Auffassung weiterbildend, dargelegt. 4. Am merkwürdigsten bezeigte sich unsere Wechselwirkung in den Fragen der Wiedergabe der sprachlichen Eigentümlichkeiten. Zu meinem ersten Entwurf hatte Rosenzweig geschrieben: „Es ist ja erstaunlich deutsch, Luther ist dagegen fast jiddisch. Ob nun zu deutsch?" Er begann bald, erst nur hindeutend, dann immer nachdrücklicher, dieses „zu deutsch" zu bekämpfen. So schrieb er, als ich den Schluss des 16. Verses im 2. Genesis-Kapitel nicht genau reproduziert hatte: „Diese inneren Infinitive würde ich alle wiederzugeben suchen. Also: magst essen du, essen. Aber das hängt damit zusammen, dass ich, wenn ich über Luther hinausgehen würde, ihn in der Hebraisierung der Syntax zu übertreffen suchen würde, Sie, bei enthebraisierter Syntax, im Aufgraben des hebräischen Gehalts des einzelnen Worts". Ich sah ein, dass sein Streben nach syntaktischer Nachbildung, natürlich unter der andersbestimmten Gesetzbarkeit der deutschen Sprache, berechtigt war, und machte es mir zu eigen. Einige Zeit später, als wir schon tief in der gemeinsamen Arbeit staken, kam ich in einem Brief, gelegentlich eines kleinen Aufsatzes von mir über Karl Eugen Neumanns Buddha-Werk, auf die Verschiedenheit zwischen den Grundsätzen zu sprechen, die Rosenzweig in seiner Jehuda-Halevi-Übersetzung angewandt hatte, und denen, von denen ich bei diesem Versuch, die Schrift zu übersetzen, ausging. Darauf antwortete Rosenzweig (am 14. August 1925): „Sie vergessen immer noch, dass Sie mich bekehrt haben, auf die gründlichste Art, durch Arbeit meiner-