Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 126 (sequence 128)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4919024-4919342--0446-4919470
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

126 erwiesen, dass Luthers „Altes Testament" in alle Dauer ein herrliches Gebild blieb, aber schon heute keine Übertragung der Schrift mehr war. Nun übernahm ich es, eine Verdeutschung des ersten Kapitels der Genesis nach meiner Auffassung zu entwerfen. Als Rosenzweig das Manuskript mehrmals gelesen hatte, schrieb er mir: „Die Patina ist weg, dafür ist es blank wie neu, und das ist auch was wert". Dieser Satz leitete ausführliche Bemerkungen ein, denen schon eine Reihe anderer vorangegangen war, — zusammen bereits ein Meisterstück helfender Kritik. Damit hatte die gemeinsame Arbeit angefangen. Die Form des Zusammenwirkens ist bis ans Ende dieselbe geblieben. Ich übersetzte und sandte jeweils die Blätter dieser ersten Fassung (des sog. Quart- Manuskripts), zumeist kapitelweise, an Rosenzweig. Er antwortete mit seinen Bemerkungen: Beanständungen, Hinweisen, Änderungsvorschlägen. Ich verwertete davon sogleich, was mir unmittelbar einleuchtete, in Änderungen, über das andre korrespondierten wir. Was strittig blieb, wurde bei meinen Mittwochbesuchen (ich las jeden Mittwoch an der Frankfurter Universität und brachte den Rest des Tages bei Rosenzweigs zu) durchgesprochen. Wenn wir mit der ersten Fassung eines Buches fertig waren, ging ich an die Herstellung der zweiten, der für die Druckerei bestimmten Reinschrift (des sog. Folio- Manuskripts), und das Verfahren wiederholte sich: es gab wieder eine Menge Bemerkungen. Es wiederholte sich bei der ersten, bei der zweiten Korrektur; nach dieser wurde uns gemeinsam das Buch vorgelesen, und wir verglichen gemeinsam, es gab immer noch tagelange Besprechungen. Nach der dritten Korrektur wurde Imprimatur erteilt. Auf den Blättern des Quartmanuskripts gab ich, um Rosenzweig den Überblick zu erleichtern, überall, wo es nötig schien, die Gründe an, warum ich so und nicht anders übersetzte. Da ihm alles vermeidbare Bücherwälzen erspart werden musste, verzeichnete ich zu jeder schwierigen Stelle die kontroversialen Meinungen, von den ältesten Meforschim bis zu den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.