Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 126)
- Language
- German
- Belongs to
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124 neu in die Menschenwelt der Gegenwart eingestellt werden will, neu, nämlich in seiner Ursprünglichkeit erneut; warum — und wie. Als nun 1923 Franz Rosenzweig, mit der Übertragung von Gedichten Jehuda Halevis beschäftigt, sich häufig an mich um Rat wandte, und wir bald dazu gelangten, an der Hand der jeweiligen Beispiele miteinander die Problematik des Ubersetzens überhaupt und die Probleme der übersetzerischen Aufgabe zu erörtern, ergaben sich uns unmerklich, zuerst nur als der zuweilen erleuchtete, meist dämmrige Hintergrund unsres Gesprächs, dann aber immer gebieterischer als seine magnetische Mitte, die Fragen: Ist die Schrift übersetzbar? Ist sie schon wirklich übersetzt? Was bleibt noch zu tun? wenig? viel? das Entscheidende? Wie kann es getan werden? im bearbeitenden Anschluss an ein klassisches Ubersetzungswerk? in einem waghalsigen Neubeginn? Hat das Zeitalter den Atemraum für einen Neubeginn? die Berufung, die Kraft, den Beistand, das Gehör? Und über alles: wie ist die Schrift zu übersetzen? wie ist sie in diesem Zeitalter zu übersetzen? Rosenzweigs damalige Grundanschauung (die sich auch aus seinem Nachwort zum Jehuda Halevi herauslesen lässt) war, dass Luthers grosses Werk noch immer die Grundlage für alle Versuche in deutscher Sprache sein müsse, dass also keine Neuübertragung, sondern nur eine Luther-Revision unternommen werden könne, freilich eine unvergleichlich umfassendere und eindringendere als alles, was bisher so bezeichnet worden ist. Meine Anschauung war, dass nur das — den ganzen Menschen fordernde und verwendende — Experiment, also ein Drauflosgehen, das alle bisherigen Dolmetscher kennt und nutzt, aber sich keinem verschreibt, eine annehmbare Antwort auf unsere Fragen zu liefern vermöchte. Dazu ist es dann unversehens gekommen. Eines Tages erhielt ich einen Brief von einem mir bis dahin unbekannten jungen Verleger, Dr. Lambert Schneider. Er schrieb mir, er wolle seinen eben begründeten Verlag mit einer Ubersetzung des „Alten Testaments" beginnen, aber nur, wenn ich sie unter-