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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 119

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 119 (sequence 121)
Language
German
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IRI
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119 auf Schritt und Tritt mit dem allgemein-menschlichen den Ausgleich zu finden hat. Dies alles besagt nicht, dass der Jude von Natur aus eine besondere geistige Struktur habe, vielmehr, dass die Verhältnisse, in welche er als denkendes und geschichtliches Wesen hineingestellt ist, jene Spannung zwischen seinem jüdischen u. allgemein-menschlichen Wir hervorrufen mussten. Denn die äusseren Verhältnisse sind für den Juden in der Tat andere als für den Nichtjuden, auch dort, wo alle ökonomischen und kulturellen Wege ihm offen stehen. Ich verweise bloss auf die neueste Literatur französischer Juden (Spire, Fleg), auf Beispiele tschechischer Schriftsteller (Fischer), auf die Namensänderungen der Juden in Italien, auf die Bemühungen der amerikanischen Juden, das jüdische Wirgefühl durch Studienanstalten grössten Stiles (Hillelschulen) zu fördern. Das hiesse die Judenfrage oberflächlich und von anderen aus betrachten, wenn man sie lediglich als eine Funktion des Antisemitismus' gelten liesse. Einer der Gründe für die Spannung zwischen Jüdischem und allgemein Menschlichem liegt darin, dass der Jude, sobald ihm das Jüdische als Wirgefühl bewusst wird (und sei es auch nur als die Erinnerung an eine unentrinnbare geschichtliche Verknüpftheit), genau so wie jeder andere sein geschichtliches oder kulturelles oder religiöses Wirgefühl anderen Wirgruppen gegenüberstellt. Während aber etwa der Russe sein russisches Wirgefühl mit dem französischen konfrontiert, merkt der Jude deutlich, dass sein jüdisches Wirgefühl hier dem französischen, dort dem deutschen, dort wiederum dem russischen ständig gegenübersteht. Sein Judesein, das ihn mit einem überviele Kulturen, Länder und Zeiten zerstreuten „Wir" verbindet, zwingt ihn, sich als Juden rieht nur mit diesem oder jenem spezifischen Wir innerlich zu konfrontieren, sondern mit einem Wir, dem die Besonderheiten dieser oder jener Gruppe genommen sind, das also allgemein menschlich ist. Man merkt wohl daraus, welch ideale Bedeutung für den allgemein menschlichen Gedanken in der Welt die Juden von heute haben können und auch haben, wie wichtig aber

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