Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
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117 Und darum ist die Religion keine Illusion, sofern sie durch solchen Glauben geschaffen ist. Aber es muss ein Glaube sein, der frei ist, der sich immer neu, dem Ganzen des Universums entgegenstellt und der eine wahre Vertrauensentscheidung ist. —«»— Der elliptische Mensch. Von FRIEDRICH THIEBERGER. Solange es irgendwelche historische Gemeinschaften geben wird, sei es die eines Volkes, einer Religion oder auch nur einer sprachlichen Gruppe, solange irgend ein Consensus, d. h. eine innerliche Gleichgestimmtheit, ein W i r g e f ü h 1 unter Menschen bestehen wird, das sie von anderen Menschen abhebt — und solche Wirgefühle wird es immer geben, weil sie in der Organisierung unseres geistigen Lebens begründet sind*) — wird auch das Spannungsgefühl zwischen dem Besonderen des eigenen Wir und dem des fremden bestehen. Aber niemals tritt dass Russe-, Spanier-, Indersein für den Russen, Spanier, Inder in «inen Gegensatz zum Allgemein-Menschsein. Ein dramatisches Spannungsgefühl — das lehren alle Erfahrungen und Dokumente über diese Tatsache — entwickelt sich nur daraus, dass die eigene Sondergruppe einer anderen Sondergruppe gegenübergefühlt wird. Diese und nur diese Spannungsgefühle zu vermeiden, ihren tragischen Keim aus dem gefährlichen Gefühlsboden frei zu bekommen und unschädlich zu machen, darum allein geht der Kampf derer, die nur Menschen sein wollen. Denn niemals sind die Eiferer des Nationalismus, ob Fascisten oder Gandhisten, Eiferer gegen das Allgemein-Menschliche. Und niemals sind die Mensch- *) Uber dieses „Wir" habe ich im „Juden" 1924, Heft 5/6, «ine Arbeit veröffentlicht.