Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 114

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 114 (sequence 116)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4919024-4919342--0434-4919458
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

114 des Religiösen ist dies die freie Vertrauensentscheidung. In meinem Buche „Gnade und Freiheit" habe ich den Ursprung des Glaubens auf die „Vertrauensentscheidung" zurückgeführt. Indem sich der Mensch dem unbekannten Universum gegenübersieht, erlebt er die Konfrontation mit dem Unendlichen; er kann dieses Unendliche nicht fassen, er kann es nicht beurteilen nach Sinn, Güte und Wert, da er einerseits nur einen winzigen Teil überblickt, andrerseits diesem Ganzen gegenüber nicht die geringste Vergleichsmöglichkeit hat; denn es gibt nichts, das nicht ein Teil dieses Ganzen wäre. Dennoch muss er mit der Frage : „Kann ich diesem Ganzen gegenüber Vertrauen hahen oder nicht?", irgendwie fertig werden. Er muss sich entscheiden, denn nur auf dieser Entscheidung kann er sein weiteres Leben aufbauen. Er entscheidet sich zu vertrauen; ohne zureichenden Grund, aus freier Entschliessung sagt er zum Universum: „Ja, Ich vertraue Dir!" Indem er dem Unbekannten unendliches Vertrauen schenkt, — es ist wahrhaft ein Schenken — erhält die Welt einen Sinn; er glaubt. Es liegt also ein Doppelakt des Glaubens vor: Aus dem passiven religiösen Erlebnis, der Konfrontation mit dem Unendlichen, entsteht die aktive positive Reaktion: die Vertrauensentscheidung. Ihre wesentlichen Argumente sind: Ganzheit des Objekts und Freiheit des Akts. Eine Vertrauensentscheidung, welche das gesamta Verhalten der Welt gegenüber begründet, welche auf jeden denkbaren Zweifel Antwort geben soll, muss einem „Ganzen" gegenüber erfolgen. Die „Welt" der ich in dieser Weise vertraue, muss universal und einheitlich sein. „Universal" sein — bedeutet: Das Objekt muss umfassend sein, es darf nichts Gegenwärtiges oder Künftiges, Seiendes oder Mögliches geben, das begriffsmässig ausserhalb dieses Objekts fällt. „Einheitlich" sein — bedeutet: Es muss innerlich widerspruchsfrei sein und muss jedes neue

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.