Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 115)
- Language
- German
- Belongs to
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113 bens gleichsam als Material von grosser Wichtigkeit. Dass sie nur einige Menschen haben, kann sie für die, welche sie nicht haben, nicht ganz bedeutungslos machen. Wir glauben ja auch gern, dass es künstlerische Erlebnisse, Ekstasen und Inspirationen künstlerischen Schaffens gibt, auch wenn wir selbst daran nicht Teil haben. Und auch ein Unmusikalischer wird an den Musikerlebnissen Musikalischer nicht ganz kalt und nicht ganz ohne Glauben vorübergehen. Und dennoch — absolut gültigkeitsbegründend können diese Erlebnisse für jene, welche sie nicht selbst haben, nicht sein; es sei denn, dass der Glaube hinzukommt. Dann kann er aber dadurch nicht begründet werden. ad 4. So bleibt denn nur der 4. Weg übrig, der eigentliche Ursprung des Glaubens, d. i. die schöpferische Glaubenstat. Auch gegen sie kämpft Freud, aber — hier erfasst er seinen Gegner gar nicht; nicht die schöpferische Glaubenstat sieht er vor sich, sondern ihre Karikatur, eine verkleinerte und verfälschte Kopie, die Fiktion. Nach Freud ist eben Religion schliesslich eine Fiktion, der gegenüber wir uns aus praktischen Motiven, aus Nützlichkeitsgründen, so benehmen, als ob es keine Fiktion wäre. Der Glaube ist ein willkürlicher Akt. Und wir glauben, obwohl wir wissen, dass wir keinen zureichenden Grund dazu haben; wir glauben nur deshalb, weil es für unser Leben nützlich ist, weil es unser Leben erleichtert, weil es uns in unsrer Hilflosigkeit tröstet. Dagegen aber müssen wir kämpfen, meint Freud, im Namen der Wahrheit und der Wirklichkeit. „Der durch die Künste der Philosophie nicht beeinflusste Mensch" sagt er, „wird eine solche Scheinwahrheit nie anerkennen, wenn sie der Vernunft widerspricht. Er kann nicht dazu angehalten werden, gerade in der Behandlung der wichtigsten Interessen auf die Sicherungen zu verzichten, die er sonst für alle seine gewöhnliche Tätigkeit verlangt." In Wahrheit beruht der Glaube nicht auf einer Fiktion, sondern auf einem viel umfassenderen grösseren Akt: der schöpferischen Wertsetzung; im Gebiete 8