Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4919024-4919342--0415-4919439- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
95 eine, die von den Wahhabiten vertreten wird, stellt den religiösen Konservativismus in den Vordergrund und denkt an ein im Islam geeinigtes traditionelles Arabien; die zweite, die vor allem in Nordafrika vertreten wird, denkt hier an das Ziel der Unabhängigkeit der einzelnen Länder ohne Betonung des rassenniässigen oder sprachlichen Zusammenhanges und unter enger Annäherung an Europa, die dritte erstrebt ein geeintes arabisches Mutterland, das mohammedanische und nichtmohammedanische Araber in gleicher Weise umfassen und auf einer Verschmelzung arabischer und europäischer Zivilisation aufgebaut sein soll. Der Autor trägt in seinem Buche vielleicht noch nicht genügend Rechnung den Änderungen im kulturellen und sozialen Ausblicke der Araber, die gerade das letzte Jahrzehnt gebracht hat. Dafür ist vielleicht das interessanteste Kapitel in seinem Buche das, worin er den Araber der Vergangenheit und vielleicht noch den Araber von heute schildert. Er schreibt den Arabern Eigenschaften zu, die sie mit allen Semiten gemeinsam haben sollen: eine besondere Begabung für Religion, die bei ihnen mehr und anderes meint als bei anderen Völkern, nämlich die vollständige Durchdringung des gesamten täglichen und sozialen Lebens mit religiösen Vorstellungen, und einen Rassenstolz und eine Zähigkeit, die ihr Aussehen und ihre Geistesart in einer auffallenden Weise von Geschlecht zu Geschlecht und von Zeitalter zu Zeitalter konstant erhalten. Für den Araber wie für den Juden ist Religion nicht etwas vom alltäglichen Leben abgetrenntes, ein Trost für bedrängte Stunden oder eine Gemütserhebung für das Alter, sondern ein notwendiger Bestandteil des persönlichen und gesellschaftlichen Daseins. So ist der Araber vor allem andern ein religiöser Mensch, was aber nicht heissen niuss, dass er immer nach dem Standard des modernen Europa ein sehr guter oder ein sehr sittlicher Mensch ist. Auch hier ist eine Ähnlichkeit mit alttestamentarischem Leben unverkennbar. Vom Islam hat der Araber seine Macht und sein Weltreich bezogen, durch den Islam kann er noch immer seine Persönlichkeit