Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 98)
- Language
- German
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96 einem grossen Teil der Welt aufdrücken, der Islam ist der Felsen, auf dem er sein ganzes soziales System aufgebaut hat und dem seine innersten Gedanken und Sehnsüchte entspringen. Die Haupteigenschaften des Islam sind seine ^Einfachheit und seine Weltzugekehrtheit, die eine Scheidung zwischen Religiösem und Weltlichem nicht kennt. Moscheen sind auch öffentliche Versammlungsplätze und liegen nicht abseits, sondern mitten in den Bazaren, verbaut und umlärmt, aber ein eng dazu gehöriger Teil des täglichen Lebens des Volkes. Alles Recht ist religiös, Interpretation alter Urkunden, eine Eigenschaft, die gerade die Zurückgebliebenheit der Araber auf staatsbildendem Gebiete erklären kann und die ihre Schwäche gegenüber Europa heute ebenso bildet wie einst die des semitischen Karthago gegenüber Rom. Hervorstechendste Züge unter den Arabern und darüber hinaus im ganzen Islam sind das Misstrauen und die Abneigung gegen Aussenstehende, die vielleicht einem inneren Hochmut etspringen, auf der anderen Seite aber das Fehlen jeden Rassen- oder Klassengegensatzes unter den Mohammedanern selbst, ein starkes Solidaritätsgefühl über alle Entfernungen und Landesschranken hinweg, Gesetze ausgesuchter Höflichkeit und eines Zeremoniels voll natürlicher Würde und Grazie, die dem Niedrigsten gegenüber ebenso gelten wie dem Höchsten und dem Reisenden und dem Gaste vor allem. Daneben ist unverkennbar, dass im Orient überall die Mohammedaner die am geringsten vorgeschrittene und am Wenigsten geistig aktive Gruppe bilden, dass sie überall die geistige und soziale Führung nichtmohammedanischen Orientalen überlassen, den Hindus in Indien, den christlichen Gemeinschaften in Vorderasien, wie sie auch in der Zeit des ersten arabischen Weltreiches die Administration des Reiches und die kulturelle Tätigkeit vielfach Juden, Christen oder Parsen überlassen haben, vor allem solchen, die sich d "nn zum Islam bekehrten. Vom staatsbildenden Gesichtspunkt ist vielleicht am bemerkenswertesten, dass, obwohl es oft einzelne mohammedanische und arabische Staatsmänner von grossem Talent, ja von genialer Kraft gegeben hat, es doch nie gelungen zu