Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 93)
- Language
- German
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91 ger wird. Er verwirklicht Berdyczewski's Worte eines Abtrünnigen: »Ich sagte Ihnen einmal vom Juden in mir, aber auch das ist nur Weh, ein ohnmächtiges Rachegefühl. Ja, Rache möchte ich üben für all das, was in mir umgebracht worden ist----Sie sind mir eine wahre Freundin und wenn ich an Sie denke, muss ich immer an lebenden Marmor denken. In ihm haben die Griechen ihren grossen Frieden gestaltet, wir haben nie einen gehabt«. Tschernichowski wird der Verkünder der Kraft, der Sänger des Schwertes, der Prediger der Rache. Hier ist mehr Proklamation als Dichtkunst, mehr Wollen und Sehnsucht eines Programmes, als geformte Kunst. Die Sehnsucht gilt einem heiteren, mildsichtigen, Schönheit- und kraftstrotzenden Griechenland, i »Liebliche Göttinnen wandeln durch alle Wunder des Landes, Nimmer vergeht ihre Schönheit im Blütenglanz ewigen Frühlings, Lieben die stürmischen Lüste und lehren die Leidenschaft leben, Marmorgleich leuchtet ihr Antlitz, doch Feuer entflammt ihre Herzen. Göttertitanen mit ihnen, ehrfürchtigen Schauder erweckend, Herrschend mit Macht und in Stärke mit Muskeln von stählerner Straffung; Nahe dem menschlichen Herzen, ihm Glück und Freude verheissend. Fröhlich und kräftig und schön sind die Menschen des Landes, in denen Weisheit und Kraft sich vermählt, sodass sie den Göttern selbst gleichen, Ihrer Begierde bewusst, die Stürme des Herzens nicht scheuend, Stark in den Flammen der Liebe und furchtbar den Feinden im Zorne.« Und so tritt der Dichter vor die Statue Apollos, vor den Gott der Jugend, der Schönheit, der Kraft, einen Gott, der dem Judentum»dem Hause der Schmerzen« stets fremd und feindlich gewesen ist. Der jü-