Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 91)
- Language
- German
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89 dustrie, doch kam er bald zu der Verzweiflung über die jüdische Wirklichkeit, auch in Palästina. Seine Ziele waren denen Berdyczewski's ähnlich, aber sie waren erdennäher und weniger philosophisch begründet. Er hasste die Galuth wie Berdyczewski, aber daneben besass er ein starkes soziales Empfinden, er war von der Sehnsucht zur Tat übergegangen, er hatte nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt. »Wir, unser Volk, brauchen Erde, brauchen industrielle Arbeit, wir benötigen menschliche Schulung, nur dies. Eine Rückkehr zum Judentum? Nein! menschliche Arbeit! Landwirtschaftliche Arbeit! Paedagogische Arbeit, künstlerische Tätigkeit. Es sollte selbst vorläufig in Miniatur sein. Doch sein muss es!« »Was wir für uns vor allem beanspruchen -— ist die Daseinsmöglichkeit. Leben im einfachen Sinne des Wortes, leben und nicht sterben.« »Auf unsere eigene Rechnung leben (denn das Leben auf Kosten anderer kann nicht Leben benannt sein). Wie alle Menschen leben, nicht aber im Ghetto (denn das Leben des Ghettos hat kein menschliches Merkmal) — das ist unsere Hauptfrage, unser Zentralproblem! Wohlan denn, wenn wir noch Kraft haben, um ein solches Leben zu schaffen, schreite voran, Haus Jakobs, und schaffe es! Zur Tat!« Und seine ganze Lehre und sein Leben, die in seiner Ehrlichkeit zusammenfielen, finden sich in seinen Worten zusammengefasst: »Unser menschliches Gefühl könnte sich eventuell mit Feindschaft zu unserer ganzen Vergangenheit,zu den Ideen unserer ganzen Geschichte verhalten und mit Ehrfurchtlosigkeit zu unseren Vorfahren, die den Messiasgedanken geschaffen haben — und dennoch (und hier unterscheidet sich Brenner grundlegend von den Jiddischisten und Bundisten) müssten wir mit absolutem Hass gegen die Galuth erfüllt sein. Denn wir leben in unserem Volke und können uns ein Leben für uns ausserhalb dieses Volkes nicht vorstellen, gleichviel, ob dieses unser Volk gut oder schlecht ist; es gibt für uns kein anderes Lager, so wie es fün uns keine andere Sonne gibt, auch wenn sie uns ekelte und wir in ihr alle möglichen Flecke fänden. Wir sind Nationalisten, . |.»v,