Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Zionismus auf diese Frage gegeben hat, klingen noch zu keinem eindeutigen Tone zusammen. Dass Herzls Plan, den Judenstaat nach englischem Angebot in Uganda zu gründen, solange er in Palästina noch unmöglich schien, an dem Widerstand der ostjüdischen Zionisten scheiterte, darf, wiewohl mit einiger Vorsicht, als ein im Sinne unserer Fragestellung positives Symptom angesprochen werden. Dass im Kriege die offizielle zionistische Politik einen Bund mit dem englischen Imperialismus einging, eine jüdische Legion aufstellte und die Balfourdeklaration erlangte, ohne sich ernsthaft um die Zustimmung der arabischen Landesbevölkerung zu bemühen, ist ein eindeutig negatives Symptom. Dass nach dem Kriege Chaim Weizmann, der unerhört erfolgreiche Diplomat und Volksführer, die Selbstüberwindung und Zivilcourage aufbrachte, weite nichtzionistische Teile des Volkes, die den nationalen Gedanken in der zionistischen Fassung ablehnen, zur Mitarbeit am Aufbauwerk heranzuziehen und ihre Gleichberechtigung gegen die eigene Organisation durchzukämpfen, ist gleichsam eine historische Bestätigung jener ersten Einheit, die Herzl auf dem Baseler Kongress zustande brachte: die Züricher Agency-Tagung vom August 1929 ist ein volleres Echo jenes Basels von 1897. Dass aber der nationale Aufstand der Araber, der, unter furchtbar grausamen Begleiterscheinungen, doch mit einer prinzipiell verständlichen Tendenz in eben diesem August 1929 stattfand, keine wirkliche innere Umstellung der Zionistischen Organisation herbeiführte, sondern zum Teil gerade die judenstaatlich gerichteten machtpolitischen Gruppen und ihre mechanische Forderung nach einer jüdischen Mehrheit stärkte, muss sehr ernst stimmen. Trotzdem darf man den Kampf um den Zionismus, der vor allem im Zionismus selbst geführt wird, nicht aufgeben. Dazu hat diese Bewegung ein zu grosses historisches Ausmass. Sie hat, zum ersten Male seit Mendelssohn, der jüdischen öffentlichen Meinung der ganzen Welt wiederum ein einheitliches Zentrum ihrer Aufmerksamkeit gegeben und schon damit die Einheit des jüdischen Volkes aufs neue begründet. Dies ist nicht etwa so