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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 64

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 64 (sequence 66)
Language
German
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64 das der bürgerlichen Gleichberechtigung, und sie waren bereit, mehr oder minder erhebliche Bestandteile des Judentums auf ihrem Altar zu opfern. Als erste fielen Messiasglauben, Palästinahoffnung und hebräische Gebetssprache. Genau gleichzeitig aber bereitete sich im Osten eine andere Bewegung vor, die in ihrer dreifach erneuerten Unmittelbarkeit zu Gott, zum Mitmenschen und zur Natur auch das gesamte Gesetz mit innerem Leben durchwärmte und aus Palästina allmählich wieder eine Wirklichkeit zu machen suchte: der Chassidismus. Einzelne seiner Führer riefen ihre Jünger zur Besiedelung des Landes auf und stellten dabei die ethisch-religiöse Bedeutung der Berufsumschichtung zu körperlich-bäuerlicher Arbeit bereits in den Vordergrund. Aber auch aus den Kreisen der heftigsten Gegner des Chassidismus, die sich um den, freilich selbst mystisch gerichteten Gaon Elijahu von Wilna gruppierten, kamen neue Einwanderer in das Land und besiedelten insbesondere die heiligen »Vier Länder«: Jerusalem, Hebron, Safed, Tiberias. Noch heute weist das palästinensische Ritual, z. B. in der Stellung des Taugebetes am Pessachfeste, gewisse Besonderheiten auf, die sich sonst nirgends mehr in der Welt ausser in der »Klaus« des Wilnaer Gaon finden. Diese östliche Bewegung erhielt um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine gewisse ideologische und organisatorische Form durch das Eingreifen eines, zum mindesten geographisch, auf der Grenze zwischen Ost und West stehenden Mannes, des Rabbiners Hirsch Kalischer aus Thorn, der in einem sehr bekannt gewordenen Werke Zionssehnsucht, »Drischath Zion«, forderte und begründete und sich dem ersten Palästina-Kolonisationsverein des mystischen Arztes Doktor Ghaim Lurie in Frankfurt a. Oder mit all seinen Kräften widmete. Dieser Kreis zeigte eine merkwürdige Verflechtung theologischer und praktischer Interessen: neben dem Aufbau einer verhältnismässig modern organisierten und nun auch bereits mit wirtschaftlichen Fragen rechnenden kleinen Palästina- Organisation spielte die eifrig diskutierte Frage eine

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