Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
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62 selber vorgesorgt und sich ein Aufnahmebecken geschaffen, als gegen Ende des Mittelalters nacheinander die Schläge der Vertreibungen aus England, Frankreich, Spanien und Portugal auf sie hereinbrachen. Besonders die vorletzte, die bekanntlich im schicksalsschweren Jahre 1492 stattfand, das allerdings den Juden auch ein künftiges Zufluchtsland: Amerika entdeckte, brachte der palästinensischen Siedlung neuen Zustrom an Einwanderern. Die Flüchtlinge ergossen sich zwar in der Hauptsache nach Nordafrika, Holland und zum Teil nach Hamburg, aber nicht unbeträchtliche Massen zogen auch nach Erez Israel, wo sie besonders in der heiligen Stadt Safed ein neues Kulturzentrum gründeten. Und nun bewährte Erez Israel seine synthetische Kraft: das kabbalistische und das rabbinische Judentum, die zwar in der Praxis auch in der Diaspora nicht auseinandergefallen waren, da der immanente Antinomismus der jüdischen Mystik beinahe niemals einen vollkommen offenen Ausdruck fand, kamen doch erst in Safed zu vollkommener Durchdringung: in der Person des Rabbi Jizchak Luria und seines Schülers und Schwiegersohnes Josef Karo, der zugleich ein glühender Anhänger der Lurianischen Kabbala und der grösste Kodifikator des geltenden jüdischen Rechtes geworden ist. Merkwürdig ist allerdings, dass sein »Schulchan Aruch« trotz der unmittelbaren Messiaserwartung seines Verfassers nicht diejenigen Gesetzesbestimmungen mit enthält, die sich erst auf »die Tage des Messias« beziehen, im Gegensatz zu dem Kodifikationswerk des rationalistischen und antikabbalistischen Maimonides> der in seiner »Mischne Thora« das gesamte Gesetzesmaterial, mit Einschluss des messianisch bezogenen, wiedergibt. Auf der anderen Seite zeigte sich aber der aktuelle Messianismus Rabbi Josef Karos darin, dass er die oben erwähnte zentrale rabbinische Autorisation von Palästina aus, die sogenannte »Smicha«, wieder einführen wollte, die er als eine Vorstufe der Erlösung ansah. Sie scheiterte bereits am Widerspruch des Jerusalemer Rabbinats, das Safed einen solchen Primat nicht zubilligen wollte. Immerhin besitzt allein der Versuch historische Be-