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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 60

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 60 (sequence 62)
Language
German
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60 Gemeindegründungen von Karäern in Palästina, insbesondere in Jerusalem. Es ist wohl sicher kein Zufall, dass gerade diese die mündliche Tradition der Rabbinen leugnende und nur die Thora hochhaltende Sekte früher als das rabbinische Judentum wieder einen lebendigen Zusammenhang mit Palästina fand: aus dem Talmud konnte man sich das reale Land schliesslich fortdenken, aus der Bibel niemals. Aber die erste wirklich bedeutungsvolle Wendung bringt im 11. Jahrhundert der grosse Dichter des jüdischen Spaniens, Rabbi Jehuda Halevi. Seine Zionsklagen, die heute noch im Mittelpunkt unseres Trauergottesdienstes am 9. des Monats Aw stehen, rückten zum ersten Male wieder Erez Israel in den Mittelpunkt der jüdischen Aufmerksamkeit, besonders deshalb, da für den Dichter das Land nicht nur ein symbolischer Begriff rein »idealistischer« Sehnsucht blieb, sondern zum realen Ziele seiner letzten Reise wurde, auf der er den von vielen Sagen verklärten Tod fand. Die Worte eines seiner Lieder: »Mein Körper ist im Westen, doch mein Herz ist im Osten« zeigen deutlich diese durchaus reale Bezogenheit, die den Widerspruch zwischen der Sehnsucht des Herzens und der körperlichen Wirklichkeit schmerzlich empfand. Dieser »Zionismus« Jehuda Halevis ist nach mehreren Richtungen hin besonders bedeutungsvoll. Er ersteht in einem Lande, in dem damals die Frage der jüdischen Gleichberechtigung kaum bestand. Etwa 100 Jahre vorher hatte ein jüdischer Minister des Omajaden-Kalifen in Kordova, hatte Chasdai ibn Schaprut trotz seiner führenden Stellung im maurischen Staatswesen dem jüdischen Könige des Chasarenreiches in der Krim einen hebräischen Brief schreiben können, in dem er ihm seine Ergebenheit versichert und ausdrückt, wie gerne er seinen hohen Rang aufgeben würde, nur um unter dem Szepter eines jüdischen Monarchen zu leben. Auch hierin hatte sich ein gewisser primitiver »Zionismus« oder, genauer: Territorialismus ausgesprochen, der zwar von einem jüdischen Staat träumte, dem aber die Beziehung auf Erez Israel noch beinahe ganz fehlte. Jehuda Halevis Zionismus ist geistiger und zugleich

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