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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 59

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 59 (sequence 61)
Language
German
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59 nem gleichsinnigen Reformversuch auf diese Vorgänger berufen konnte, die entgegengesetzte Entscheidung des Maimonides allerdings ausser Acht lassen musste. Es kam sogar, und schon zu spät talmudischer Zeit, dazu, dass es geradezu als verboten galt, von Babel nach Palästina auszuwandern. Auf der anderen Seite finden wir auch im Jerusalemitischen Talmud gelegentliche Aussprüche, die wie eine Abwehr solcher babylonischen Ansprüche auf den Primat erscheinen, etwa den: »die Namen der Engel sind mit ihnen aus Babylonien heraufgezogen-« Wenn wir diesen interessanten Satz intensiv deuten dürften, so enthält er zwei Aussagen: einmal die Behauptung, dass Erez Israel höher liegt als Babel, da man ja zu ihm heraufziehen musste, und zweitens die religionsgeschichtlich vollkommen zutreffende, hier aber wohl missbilligend gemeinte Beobachtung, dass die ganze Engellehre, nicht nur deren Namen, in ihrer reichen Ausgestaltung nichts ursprünglich Jüdisches ist, sondern in Babylonien unter parsischem Einfluss angenommen wurde. Man darf natürlich diese Gegensätze nun auch nicht überschätzen und nicht vergessen, dass immer wieder einzelne hervorragende Männer wie Hillel um das Jahr 1 oder Rabbi Jochanan um das Jahr 300 Brücken zwischen Erez Israel und Babel geschlagen haben. Aber immerhin: es gab eine Kluft, über die man Brücken schlagen musste. Um das Jahr 1000 etwa war Erez Israel als Wohnland aus dem Bewusstsein der Juden so gut wie ganz ausgelöscht und kam nur noch als historische Erinnerung und messianische Gebetshoffnung in Frage. Das gilt selbst dann, wenn die Forschungen des palästinensischen Arbeiterführers Ben Zwi, der einen kleinen ununterbrochenen jüdischen Jischuw in dem noch heute bestehenden jüdischen Fellachdorfe Pekiin nachgewiesen zu haben glaubt, sich voll bestätigen sollten. ■ Auch diese kleine Episode wird in dem geschichtlichen Bilde nur den Rang einer unbedeutenden Ausnahme haben. Einen etwas höheren Rang nimmt eine andere Ausnahme ein: die gelegentlichen Wanderungen und

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