Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 56)
- Language
- German
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54 > gleichsam in Gottes Diaspora. Innerhalb dieses allgemeinen Galuth aber, in dem doch jedes Volk sein eigenes Land besitzt, trägt Israel sein Sondergaluth, dessen vollständiges Aufhören zugleich die Erlösung der gesamten Menschheit bedeutet. Deshalb also ist die Beziehung des jüdischen Volkes zu seinem Lande von vorneherein höchst problematisch, wenn auch durchaus positiv angelegt. Dem entspricht es auch, dass der erste Jude: Abraham — der erste Mensch: Adam, wird ja noch nicht als Jude gedacht — aus seinem Wohnlande Ur-Casdim (Babylon) von Gott in ein Land gerufen wird, das zunächst gar nicht näher nach Art und Läge bezeichnet ist, sondern von dem es nur heisst: »das Land, das ich Dir zeigen werde.« Der für Abraham so spezifische Gottesgehorsam, der später auf die gewaltige Probe des Sohnesopfers gestellt werden soll, erweist sich schon hier durch den selbstverständlichen Aufbruch aus der sicheren Heimat in ein unbekanntes Land. Es ist das Land Israels. Aber auch nachdem Abraham im Lande festen Fuss gefasst hat, ist das Problem nicht gelöst; die Alternative Volk oder Land bricht auf. Er darf die Frau seines Sohnes nicht aus den Töchtern des Landes wählen, sondern muss seinen Knecht Elieser in fernes Land, aber zu nahem Stamm schicken, um die Einheit des Volkes, oder doch die der Blutgemeinde, gegenüber der Einheit des Landes zu wahren. »Die Taten der Väter sind ein Wahrzeichen für die Geschicke der Söhne«. Dieses Wort unserer Weisen bewährt sich auch an der Familiengeschichte Abrahams: wie ihm das Land problematisch wurde, nie einfach da war, aber auch nie einfach fort war, so soll es nun im Laufe der jüdischen Geschichte bleiben. Wir sehen die Erzväter immer wieder das Land verlassen und zu ihm zurückkehren, bis schliesslich der Streit der Brüder und Stämme, der Söhne Jakobs, in seinen Folgen die vollständige Übersiedlung aller palästinensischen Juden nach Ägypten verursacht, wo sie jahrhundertelang bleiben sollen. Nach der Befreiung durch Moses ist nicht vor allem das Land ihr Ziel, sondern der Gottesberg Sinai und die Offenbarung