Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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52 wohl gesagt werden, dass die Notwendigkeit einer Verständigung mit den Arabern allmählich von viel weiteren Kreisen der Bewegung anerkannt wird. Freilich haben sich im Laufe des Jahres die Chancen einer solchen Verständigung ausserordentlich verschlechtert, besonders da durch den Shaw-Bericht und die englische Haltung die Araber die Hoffnung schöpften, ihre Forderungen auch ohne Verständigung mit den Juden erreichen zu können. Es sei noch erwähnt, dass unter den Persönlichkeiten, die sich für eine jüdisch-arabische Annäherung und eine Neuorientierung der zionistischen Politik einsetzen, mit an erster Stelle Prof. Einstein stand. Einstein hat in mehreren Zuschriften an die arabische Zeitung „Feiestin" seine Konzeption einer jüdisch-arabischen Kooperation eindrucksvoll dargelegt. Er hat auch, als bei den Mord-Prozessen 27 Araber zum Tode verurteilt worden waren, zusammen mit Martin Buber sich für die Begnadigung der Verurteilten eingesetzt. Auch der Brith-Schalom hat, nachdem die Zionistische Exekutive eine Intervention abgelehnt hatte, eine Petition wegen NichtVollstreckung der Todesurteile an den High Commissioner gerichtet, was ihm besonders verübelt wurde. Der High Commissioner hat 24 Verurteilte zu lebenslänglichem Kerker begnadigt, drei wurden am 17. Juni hingerichtet. Die Spannung zwischen Juden und Arabern wurde durch die Hinrichtung noch vergrössert und die Araber versuchten, die Hingerichteten zu nationalen Märtyrern zu stempeln. So endet dieses Jahr mit einer ziemlich trüben und verworrenen Situation. Es wird viel Mühe und Klugheit kosten, die Lage zu klären und die Möglichkeit einer neuen Aufbau-Arbeit vorzubereiten. Die Erschütterungen dieses Jahres haben an die jüdische Kraft und die jüdischen Nerven grosse Anforderungen gestellt. Das Jüdische Volk hat aber auch gezeigt, dass es in der Stunde der Gefahr Solidarität zu wahren weiss und dass das Palästina-Ideal zu tief in der jüdischen Seele eingewurzelt ist, als dass es durch Schwierigkeiten irgend welcher Art erschüttert werden könnte. (Abgeschlossen Anfang Juli 1930.)