Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 53)
- Language
- German
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51 es unerlässlich, mit dem arabischen Volk zu einer Verständigung zu gelangen. Diese könne aber nur erfolgen, wenn der Gedanke eines Judenstaates, dem die palästinensischen Araber als Minderheitsvolk angehören würden, ersetzt wird durch die Parole eines binationalen Staates zweier gleichberechtigter, in ihren nationalen Angelegenheiten völlig freier Völker. Auf Grund dieses Gedankens sollte versucht werden, ein Programm der jüdisch-arabischen Kooperation und der allmählich fortschreitenden Selbstverwaltung der Bevölkerung aufzubauen. Das jüdische Interesse sollte sich weniger auf politische Proklamationen und nationale Prestigepunkte konzentrieren, als vielmehr auf Durchsetzung dreier Hauptforderungen: jüdische Einwanderung, jüdische Landansiedlung und freie Entwicklung der hebräischen Kultur. Dieses Programm vertrat am hörbarsten der Kanzler der Hebräischen Universität Jerusalem Dr. Magnes. Anfang November hatte er darüber eine Besprechung mit dem den Arabern nahestehenden Orientschriftsteller Philby, der, selbst Mitglied der Labour Party, mit einer privaten Mission des Kolonialministers Lord Passfield nach Palästina gekommen war. Die Besprechungen zwischen Magnes und Philby hatten zum Ergebnis zwei Artikel der beiden Männer, die in „New York Times" erschienen, und einen jüdisch-arabischen Ausgleich gemäss den oben skizzierten Richtlinien ins Auge fassen. Bei Bekanntwerden dieser' Besprechungen erhob sich ein Sturm im zionistischen Lager, der bald darauf sich auch gegen die einzige Gruppe richtete, die unabhängig von Dr. Magnes, ein ähnliches Programm vertrat: den Brith Schalom. Der Kampf gegen Magnes und Brith-Schalom nahm die eigentümlichsten Formen an, beginnend mit Studenten- Demonstrationen und unaufhörlicher persönlicher Hetze im „Doar Hajom" und endend mit einer Resolution der allgemeinen Zionisten Palästinas, Mitglieder des Brith Schalom aus dem Zionismus auszuschliessen. Alle andern Partei- und Meinungsunterschiede innerhalb des Zionismus traten zurück vor diesem entscheidenden Gegensatz. Wenn auch heute dieser Gegensatz in voller Schärfe weiterbesteht, so kann doch