Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Es besteht nicht die Absicht, an dieser Stelle eine genaue Schilderung und Chronologie dieser grauenvollen Tage zu geben. Das Judentum der ganzen Welt wurde durch die Ereignisse aufs tiefste erschüttert. Eben erst war in Zürich dieerweiterteJewish A g e n c y zustande gekommen. Am 14. August wurde in feierlicher Sitzung der Pakt zwischen der Zionistischen Organisation und den nichtzionistischen Vertretern der Judenheiten aller wichtigen von Juden bewohnten Länder unterzeichnet; das Ziel jahrelanger Bemühungen war erreicht, ein persönlicher Erfolg des Präsidenten Dr. Weizmann; die Tagung des Council der Jewish Agency unter Teilnahme von Männern wie Einstein, Herbert Samuel, Marshall, Felix Warburg, Leon Blum, Oscar Wassermann, Lord Melchett, Schalom Asch usw., wozu noch die zionistischen Führer, voran Weizmann, Sokolow und Ussischkin traten, war ein glanzvolles Ereignis, wie es seit Jahrzehnten, vielleicht Jahrhunderten in der jüdischen Geschichte nicht vorgekommen war. Der Weiterführung des Palästina-Aufbaues schien die günstigste Prognose gestellt, wo solche Kräfte sich zu gemeinsamer Tat vereinigten. Da begannen, einen Tag nach Schluss der Agency-Sitzung, die Flammenzeichen drohenden Unheils am palästinensischen Horizont zu erscheinen. Die neu gegründete erweiterte Jewish Agency sqllte keine Möglichkeit ruhiger fruchtbarer Aufbauarbeit finden, sondern wurde sofort in ein Chaos hineingerissen, sodass sie bis heute noch nicht in der Lage ist, dort wieder anzuknüpfen, wo der Faden der Entwicklung im August abgerissen war. In Palästina hatten sich bereits längere Zeit dunkle Wolken zusammeiigezogen, deren Gewitterdrohung aber von niemandem beachtet wurde. Sämtliche Mitglieder der Zionistischen Exekutive und alle Parteiführer hatten das Land verlassen und sich nach Zürich begeben. Inzwischen steigerte sich in Palästina immer mehr die Erregung des Jischuw über die Zustände an der Klagemauer. Die moslemischen Behörden hatten trotz der Erklärung der Regierung, dass der status quo aufrecht erhalten bleiben müsse, bau-