Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German
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39 CHRONIK Jahresrückschau 5690. Von Dr. ROBERT WELTSCH. Das Jahr 5689/90 wird in der Geschichte des Zionismus und des Aufbaues des jüdischen Nationalheims in Palästina als ein schwarzes Jahr in Erinnerung bleiben. Alle Geschehnisse dieses Jahres sind überschattet von den furchtbaren Ereignissen, die sich in Jerusalem und im Anschluss daran an mehreren Orten Palästinas im August 1929 zugetragen haben. Am 23. August brachen in Jerusalem Unruhen aus, die sich bald zu einem fanatischen Angriff arabischer Horden auf die jüdischen Bewohner der Stadt steigerten und mehrere Tote und viele Verwundete als Opfer forderten. Am nächsten Tag, am 24. August überfielen die Araber das jüdische Viertel in Hebron und richteten ein fürchterliches Massaker an. Am 30. August kam es zu einer Judenmetzelei in Safed. Eine Reihe jüdischer Kolonien wurden angegriffen, in Motza bei Jerusalem wurden 6 Mitglieder der Familie Makleff bestialisch ermordet, die Kolonien Hulda, Artuf, Beer-Jacob wurden nach heldenmütiger Verteidigung von den Arabern niedergebrannt. Auch in Jaffa und Haifa kam es zu Kämpfen, überall waren die Angriffe mit wüsten Plünderungen verbunden. Die Regierung, die zu Anfang den Ernst der Lage verkannte, nach Ausbruch der Unruhen deren Umfang überschätzte, erwies sich ausserstande, die Juden zu schützen, zumal die arabische Polizei versagte. Nur dem sofortigen Eintreten des organisierten jüdischen Selbstschutzes ist es zu danken, dass eine grössere Katastrophe vermieden wurde. Nach einigen Tagen gelang es der Regierung, durch Heranziehung von Verstärkungen (Kriegsschiffe aus Malta, Militär aus -Aegypten) des Aufstandes Herr zu werden.