Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 235)
- Language
- German
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uns eine Arbeit, auch heute, in dieser ungewissen Stunde, eine schwere, innere Arbeit, die die Sache jener ist, die noch einer nationalen Schöpfung, dem nationalen Werk streben . . . Und nun mag seltsam genug erscheinen, daß der Hann, der um dieses Banner der Wiedergeburt des Volkes die jungen wertvollen Kräfte sammelt, im Zeitalter des Weltkrieges hingeht und — eine Zeitschrift gründet. Wieder also eine Flucht aus der Wirklichkeit in die Literatur, die unser Fluch ist, eine Flucht aus dem Leben in die Welt des Wortes! Und doch glaube ich, daß dieser Vorwurf ungerecht ist und machtlos zerschellt an einem Mann, der mit seiner Hände Arbeit den Boden der jüdischen Erde bebaut, und dann zur Sammlung der Kräfte des Geistes aufruft. Vielleicht liegt in dieser von großem Ernst getragenen Sammlung hebräischer Gedichte und Aufsätze doch mehr als bloße literarische Spielerei. Diese Töne, die so fernab vom Kriege liegen (obwohl auch hier der Krieg Spuren hinterließ: die weißen Flecke des Zensorstiftes, und manche Aufsätze sprechen natürlich auch vom Krieg), sie warnen uns vor einer gefähr- J'ehen Art der Assimilation, der geistigen Assimilation an jene uns fremde Ideologie, die in den Taten, besser Tatsachen, des Krieges wirklich die höchste Form menschlicher Tatkraft und Wirkung erblickt. Diese Anschauung hat nicht nur die breiten Schichten der Menschheit ergriffen, die sich die widerwärtigste Art Kriegsliteratur Sefallen läßt, die die Kinder mit militärischen Übungen Ur>d Schilderung möglichst blutiger „Heldentaten" erzieht und an alle Menschen den Maßstab ihres militärischen Wertes anlegt, sondern auch die Besten der Völker glauben in diesem Massensterben eine Wiedergeburt des fehlen Heroismus zu sehen. Wir aber sollten dem gegenüber feststehen und inmitten der ganzen verwirrten Welt a" unsere seelische und geistige Kraft anspannen, um 215