Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 231)
- Language
- German
- Belongs to
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ROBERT WELTSCH, BERLIN. Ein Wort aus der Kriegszeit Vor einigen Wochen erschien in Tel-Awiw (im Verlag der Partei Hapoel Hazair) der erste Band der Schriften von A. D. Gordon. Dies ist kein geschriebenes „Buch", sondern eine Sammlung von Aufsätzen, die zum Teil an konkrete Ereignisse Anknüpfen und die Erscheinungen des zionistischen Lebens unter dem Gesichtswinkel der nationalen Sittlichkeit einer oft unerbittlichen Prüfung unterziehen. Gordon weiß, daß die Wiedergeburt des jüdischen Volkes kein mechanischer Prozeß «ein kann, daß sie nur durch wahrhafte „Schmerzen der Geburt*, durch das tiefe Leid und das hohe Glück des Schaffens, durch «inen ur-menschlichen Vorgang, durch Beschwörung menschlicher Ur-Kräfte, Wirklichkeit werden kann. Der Zusammenhang zwischen Nationalismus und Menschlichkeit war für ihn ein unmittelbarer; so unmittelbar, daß er den Begriff „Volk-Mensch" (»Am-Adam") schuf, durch welchen er die seelische Funktion des Menschen direkt auf den Organismus des Volkes Übertrug. Ich hörte den Namen Gordons zum ersten Male während des Krieges, als mir ein Freund ein Exemplar einer nach Europa gelangten palästinensischen Sammelschrift zusandte, die den Titel führte: „Beschfeah su . . ." (In dieser Stunde . . .") Die Einleitung stammle von A. D. Gordon; man findet sie Nieder in dem oben erwähnten ersten Band der gesammelten Schriften. Der Eindruck der Worte, die aus einer weit entfernten jjiir fremden Well, aus dem Munde eines Unbekannten, in den düsleren Untersland hineintiinten, war aulwühlend, unauslöschlich. Hier war das ersehnte Wort gesprochen, mitten in einer Zeit toller Krieöspsychose, die auch unserer jüdische, ja zionistische Welt vergiftet hatte. Ich schrieb damals eine Bemerkung dazu und sandte sie an eine zionistische Wochenschrift der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie; der Redakteur hat die ihm am gefährlichsten erscheinenden Stellen gestrichen oder geändert, ohnedies hatte ich selbst s hon an den Zensor gedacht und vieles vorsichtiger ausgedrückt als es sonst der Fall gewesen wäre und das Manuskript in Druck beordert. Es ist nie erschienen; der Rotstift des Kriegszensors Xernichtele den ganzen Aufsatz und ich erhielt nach einigen "ochen die Zeitung, in welcher lediglich die Überschrift s'and, einsam und vielsagend: „In dieser Stunde . ." Darunter 11 211