Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 230

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 230 (sequence 232)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4919024-4919026--0235-4919259
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

alles weisser Fleck. Von allen Lesern wußte nur ich, was dort gestanden hatte. Ein glücklicher Zufall spielte mir vor kurzem das Manuskript wieder in die Hand, das in dem Archiv jener Redaktion aufbewahrt geblieben war. Neun Jähre sind verstrichen, seit' dem es geschrieben wurde; ich habe seitdem noch oftmals von Gordon gehört, ich hatte das Glück, ihn persönlich kennen zu lernen und die denkwürdigen Tage der Hapoel Hazair-Konferenz In Prag 1920 mit ihm zu verbringen. Er ist heute auch dem zionistischen Judentum Westeuropas kein Fremder, seine „Briefe aus Paliistina" sind in deutscher Sprache erschienen, außerdem mehrere Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften- Dennoch hat er noch nicht den Platz als Lehrer und Führer, der ihm gebührt. Vor drei Jahren hat ein unerbittliches Gc schick ihn dahingerafft; in einer kleinen Gruppe palästinen' sischer Arbeiter lebt sein Geist weiter. Der Krieg ist vorbei, aber er hat nicht die Katarrsis hinterlassen, die wir erwarte' hatten. Die Weltlage ist heute wieder trübe, das gegenseiti0e Mißtrauen, die unersättliche Habgier, das Wettrüsten — alle8 geht weiter und bereitet den neuen Krieg vor. Aber auch 'n unseren jüdischen, zionistischen Reihen ist es nicht hell ge' worden; auch bei uns gibt es, und ich fürchte in steigendein Maße, die Kriegsmentalität wieder. Manche glauben sogar, daß unsere nationale Wiedergeburt ein Werk „militärischen Geistes sein muß, während sie in Wahrheil dpch nur aus den „Chewle* Jezirah", den Schmerzen des Schaffens kommen kann. Ic» glaube daher, daß den 1916 geschriebenen Worten auch heut^ noch ein Sinn innewohnt. Darum bringe ich hier diesen Auf' satz zum Abdruck, ein Dokument des Krieges zugleich und ein^ Reverenz vor dem Geiste des großen verstorbenen Lehrers- Ich habe absichtlich das Manuskript vollständig unverändert gelassen, nur an einer Stelle habe ich die Bezugnahme au> einen Namen, die inzwischen gegenstandslos geworden is'' ausqemerzt. R. W. In dieser Stunde. In dieser Stunde, in dieser schweren trüben Stunde der Ungewißheit, wo alles in der Welt in Chaos aufgelöst ist und der Hand des Schöpfers zu harren scheint, d|g ordnend eingreifen und wieder Form, Leben und Sinn "* 212

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.