Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 227)
- Language
- German
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S. MEISELS. Hebräisch. Es ist nicht ganz richtig, daß in unseren Tagen die hebräische Sprache ihre Auferstehung feiere. Eine Auferstehung setzt ein Totgewesensein voraus und die hebräische Sprache ist während des ganzen zweitausendjährigen Verlaufes der Judenzerstreuung nicht tot gewesen — nicht einmal mundtot. Sie hat stets in Schrift und Wort (auch in Wort!) ein höchst eigenartiges und ziemlich lebendiges Leben geführt. In jüdischen Gelehrtenkreisen war der gedachte Oedanke und das geschriebene Wort immer hebräisch. Die Talmudisten verwendeten zur Abfassung ihrer Responsen die talmudisch-hebräische Sprache. Die Chroniken der Gemeinden, die Aufrufe in den Synagogen, die Erlässe der Rabbiner waren allesamt hebräisch abgefaßt. Verlobungsakte, Ehekontrakte, Scheidungsbriefe, kurz alles Urkundliche, was den sozialen Renschen in der Gesellschaft als ihn selbst ausweist, durfte in keiner andern als der hebräischen Sprache geschrieben sein. Gebildete Kaufleute im Osten führten sogar ihre Bücher und Korrespondenzen in hebräischer Sprache. Briefe wurden vorwiegend hebräisch geschrieben und die des Hebräischen nicht ganz mächtig waren, versuchten es eben, so gut sie es konnten: sie schrieben einen halben Satz hebräisch, einen halben jiddisch. Selbst der Chassidismus, der mit allem Starren, Einengenden Aufräumen wollte und sich des jiddisch als eines Mittels bediente, die diassidischen Lehren den breiten Volks- Uiassen zugänglich zu machen — selbst der Chassidismus bevorzugte die hebräische Sprache. Der größte Teil des diassidischen Schrifttums mit seinen Wundermären, hegenden, Anekdoten und Parabeln, ist ursprünglidi hebräisch geschrieben. Man sieht, in Schrift war diese Sprache 207