Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 218)
- Language
- German
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braucht nicht hervorgehoben zu werden. Beide aber umschließt eine ähnliche Gesinnung jenseits allen nationalen Chauvinismus und allem Macht- und Auslebegelüste. Nur, daß sie bei Achad Haam tief in der jüdischen Geschichte wurzelt und daß die bescheidenen Anfänge, die heute in Palästina bestehen, darauf hinweisen, daß das Ziel, das Achad Haam gesetzt hat, das menschlich und jüdisch Richtige und Erreichbare darstellt. Aber ein Moment, das Herzl gebracht hat und das Achad Haam fremd war, kann nicht mehr aus dem Tätigkeitsgebiet des Zionismus schwinden: die Politik. Sie muß, teils in Verhandlungen mit den Regierungen der verschiedenen Länder und in der Aufklärung der öffentlichen Meinung unter den verschiedenen Völkern über unsere wahren Ziele, teils und vor allem im Beslreben nach einem Ausgleich mit dem Volke, das mit uns {je* meinsam seine nationale Heimstätte in Palästina haben wird und das rings um Palästina wohnt, die Vorbedingungen für eine gedeihliche Entwicklung der zionistischen Siedlungsarbeit schaffen. Aber es gibt ein zweifaches Verhältnis zwischen Politik und Geist. Der Geis' kann der Politik dienen, und dies ist heute allgemein üblich, in Geschichle und Staatslehre, in Philosophie und Literatur und sogar in Chemie und Physik. Zeiten des Krieges zeigen dies mit erschreckender Deutlichkeit Aber es ist auch eine Politik denkbar, die dem Geiste dient. Die jüdischen Propheten waren Politiker; sie nähme'1 entscheidenden Anteil an dem Leben ihres Volkes un« seines Staates; aber ihre Politik war nichts als Diener des Geistes und der Gerechtigkeit, die über den Völker" und über ihren Staaten walten. Eine solche Politik un<j eine solche Gesinnung würden erst Herzls Traum gerech werden: daß nämlich die jüdische Siedlung in Palästina von allmenschlicher Bedeutung sei. 200