Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 204

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 204 (sequence 206)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4919024-4919026--0209-4919233
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

von Mendelssohn und seinem Schülerkreise fiel ihm recht schwer, wußte er doch, daß er in seiner Heimat fern von jeder Kultur lebte und mit seinen Volksgenossen wegen seiner freieren Ansichten ernste Kämpfe würde ausfechten müssen. Unter dem Einflüsse der Berliner Haskalahbewegung wurde in ihm der Entschluß rege, in seiner Heimat die Ideen der Aufklärung zu popularisieren, seine Brüder aus der Lethargie zu wecken und in ihr inneres Leben mehr Licht eindringen zu lassen. Mendelssohn faßte den Plan, die deutsche Sprache durch eine gediegene Bibelüber- Setzung den Juden näher zu bringen. Dieses Unternehmen rief in Lewin den Gedanken wach, in ähnlicher Weise eine Haskalahbewegung in Polen ins Leben zu rufen. Doch wollte Lewin hier von einem ganz anderen Standpunkte ausgehen. Er wollte nicht durch eine deutsctff Bibelübersetzung die polnischen Juden der europäischen Kultur näher zuführen, sondern durch eine jüdische (Jargon) Bibelübersetzung in ihnen kritisches Auffassen der heiligen Schrift und somit die Begierde nach Erkenntnis und Bildung wecken. Dies waren die eigentlichen Motive seines Entschlusses, die jüdische Biber überselzung zum Mittel der Verbreitung der Haskalahideen zu machen, den er vor seiner Abreise in Berlin gefaßtaber erst zwei Jahrzehnte später ausgeführt hat. Lewin wollte eben die Haskalah nicht theoretisch durch VC' öffentlichung von Werken, die das Wesen dieser BG* wegung erklärten, verbreiten, sondern durch leicht Qe' schriebene Werke allgemeines Wissen verbreiten und somit den hebräischen Leserkreis von dessen Notwendig' keit überzeugen. Von Berlin begab er sich nach Mikolajew, wo er seine zweite Heimat fand. Hiei \ebte er in bescheidenen Verhältnissen. Einer seiner Schüler, Mordediai Suchostawer et' zählt aus dieser Zeit folgende Anekdote: Eines Tageh 188

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.