Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 198)
- Language
- German
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weist auf die Verwandtschaft jüdischer Psalmlieder mf gregorianischen Psalmgesängen hin. Diese Melodien sind Volksgesänge, während die „Tractus"-Melodien, über die ich in der Zeitschrift „Menorah" näheres berichtet habß (im Aufsatz: „Reste alljüdischer Synagogalmusik"), Kunst' melodien sind und eine entwickelte Solistenkunst voraus' setzen. Die Motivtechnik der Bibelweisen ist eine Kunst' technik der jüdischen Chazzanim der hellenistische'1 Synagogen. Von hier aus ergeben sich also Berührungen der jüdischen Musikforschung mit den modernen gregC1' anischen, musikwissenschaftlichen Forschungen der Choral' künde, aber auch mit den Forschungen über hellenistische Musik, die durch Papyrusfunde ermöglicht sind, und ^a die hellenistische Musik aus einer Verbindung griechische und orientalischer Musik entstanden ist, mit den je'2' so reich entwickelten Forschungen über orientalische Musik. Neben der Gruppe ältester Synagogalmelodien, die allen Juden gemeinsam sind, also vielleicht sogar zun1 Teil in die vorexilische Zeit zurückreichen, gibt es einß viel größere Gruppe von Melodien, die in der Diaspo^ entstanden sind, zum Teil in Spanien unter dem Einflu" arabischer Musik. Auch hier hat die jüdische Musl*' forschung ein großes Arbeitsgebiet, da sie das Alter Melodien systematisch zu untersuchen hat, die vC,r schiedenen Einflüsse und Einwirkungen, unter denen &e Melodien entstanden sind, analysieren muß, die öe schichtlichen Bedingungen der mittelalterlichen Melodik erforschen muH Die Geschichte des jüdischen VolkßS spiegelt sich auch in seinen liturgischen Melodie"^' Seine Wanderungen, seine Erlebnisse, die Um<Je bungen, in der es seine Wohnsitze aufschlug haben auch in der Musik ihren Niederschlag n"\ terlassen. Auch der vielfach orientalische Charakte des osteuropäischen Kantorengesanges ist, wie ich " 182 TJ