Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 197)
- Language
- German
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Grundlage einer wissenschaftlichen Erforschung der Synagogalmusik kann nur eine systematische Sammlung sämtlicher Synagogalmelodien sein, wie sie Idelsohn für ^'e jüdische Musik des Orients geliefert hat. Eine solche Weltumfassende Sammlung jüdischer, liturgischer Musik Jvird erst die Möglichkeit geben, aus der Fülle jüdischer '"urgischer Melodien die ältesten auszusondern, jene, die ^"en jüdischen Synagogen gemeinsam sind, die also die Wurzel darstellen, aus der der reichverzweigte Stamm ^er jüdischen liturgischen Melodien herausgewachsen ist. u9niit wäre für die jüdische Musikforschung der Ausgangspunkt gegeben. Schon jetzt steht als wertvollstes ^r9ebnis der Idelsohnschen Forschungen fest, daß alle Gemeinden der Diaspora gemeinschaftlich dieselben Sing- ^eisen für die verschiedenen Bücher der Bibel haben, aus verschiedenen „Motiven" zusammengesetzt sind, *'e die Bilder eines Baukastens aus einzelnen bemalten würfeln, wie ein orientalischer Teppich aus malerischen "Motiven", die sich immer neu gruppieren. Diese eigenar"ge Technik der Melodiebildung findet sich, was Idelsohn entgangen zu sein scheint, in den ällesten Bestandenen des gregorianischen Gesanges, in jenen, die (wie Je sogenannten „Traktus"-Melodien) einer eigenartigen öriations-Praxis der hellenistischen alten Kirchen (Alexandrien, Smyriui, Antiochia, Ephesus) entstammen. Da I11 den ersten achtzig Jahren der christlichen Zeitrechnung ln diesen Gebieten jüdischer und christlicher Gottesdienst jjenveinsam waren und mancher der Chazzanim in den ^e"enistischen Synagogen als Kantor in den Dienst der holischen Kirche überging, ist es verständlich, daß Je ältesten Melodien der katholischen Kirche und die . esten liturgischen Weisen der hellenistischen Synagoge 'ch berühren und die Technik der „wandernden Melis- Jj^n" sowohl den ältesten gregorianischen Melodien, wie en ältesten jüdischen Melodien gemeinsam ist. Idelsohn 181