Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 184)
- Language
- German
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sich vergeblich, ihn zu behaupten. Der reifen, klar besonnenen Kraft folgte der Krampf. Aber wie sehr auch diese Kunst der Programme und Proklamationen mf ihrem Pomp von Schlagwörtern, mit „Kubismus", „Fuh| rismus" und ,;Expressionismus", den Niedergang des Mfl' lerischen zu verdecken suchte, wie wenig ihr Vermöge" an die Formerneuerung, die sie unternommen hatte, heranreichte, unsere Ansicht vom Schönen hat sie doch gründlich geändert. Sie hat ihm den fatalen Beigeschmack des Gefälligen genommen, um an seine Stelle das Rauhe, vielleicht gar das Rohe zu setzen. Das war nicht mehf als der gewaltsame Anfang einer neuen Ästhetik, aber dieser Anfang war gesund und zeitgemäß. Denn indem er an die Stelle der beiläufigen Spiele Charakter und Ausdruck setzte, entsprach er den ernsteren Stimmung«11 der Zeit. Und da er mit bauhaften Mitteln seinen unge' stümen Gestallungsdrang zu verwirklichen strebte, folgte er — bewußt oder nicht — dem lebendigsten Antrieb unserer Kunst: er machte das Bild zur Architektur. Da" sein Willen hinter der Tat beträchtlich zurückblieb, ist füf unsere Betrachtung von minderem Belang. Wichtig für sie ist allein der Umstand, daß selbst hier, im Bereiche der Fliichenkunst, die neue Vorherr' schaff der Baukunst zu ihrem Rechte gekommen wflr> Seit der Wende des Jahrhunderts dient alles ihrer En'' faltung. Was sich in diesem Zeilraum in Wien ereig"c hat, gilt als besonders reiches und anschauliches Beispie' auch für anderwärts. Denn wenn Irgendwann hat Wie" gerade damals die lange liebkosten, von Bänkelsänger** und Journalisten hochgerühmlen Engen der Tradition un*J Lokalität aufgegeben und ist Im breitesten Verkehr m'1 dem westlichen Ausland ein Zentrum der modernen Kultur geworden, das auf jede ihrer Entwicklungen mit besonderer Empfindlichkeit reagierle. Die Wiener Literatur findet m> Maupassant und Maeterlinck, die Wiener Malerei mit l'"v's 168