Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 171)
- Language
- German
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Resigniert hob der Lehrer die Augen zum Himmel. »Was weiß denn ich?" rief er ungeduldig. Die Kinder sahen ihn ganz verblüfft an, weil er das nicht wußte. „Man soll nicht so viel fragen!" schnitt der Lehrer *eilere Einreden ab. „Nun, vielleicht ist es ein Reh gewesen", meinte 4er Vater. „Hm!" rief das Mädchen einverstanden. Der Lehrer konnte weiter erzählen. Er berichtete *°n jakob, der die Zicklein briet, der sich mit Ziegen- 'ellen Gesicht und Hände bedeckte, um den Vater glauben *u machen, es sei Esau, dem er nun den Segen gab. kr erzählte die ganze Geschichte zu Ende und wollte nun *u Jakobs Flucht übergehen, da trat die große Schwierigkeit ein. »Du, Herr Lehrer", sagte der Junge. .Nun?" „Weißt du, der Jakob ist doch ein schrecklicher Betrüger gewesen, nicht wahr?" Das war nun freilich ein peinlicher Zwischenfall. . Der Lehrer fuhr zornig auf und wandte sich zum vater, als erwarte er von ihm, er werde dieses unge- ^atene Kind auf der Stelle verstoßen. Aber das fiel dem Vflter nicht ein. Er saß ganz ruhig da und schmunzelte s°flar. Denn er erinnerte sich: So was Ähnliches habe ch als kleiner Junge auch gedacht. Ich habe mich nur "'cht getraut, es auszusprechen. „Du, Herr Lehrer . ..", meldete sich jetzt das dächen. p Der Lehrer drehte sich mit einem Ruck zu der kleinen ragerin. Sie merkte wohl, daß jetzt ein Gewilter im An- ^9 Sri, aber sie konnte nun nicht mehr zurück. Sie war üch zu neugierig. „Schmeckt denn Ziegenfleisch so wie Reh?" „Um Gottes willen . . .", murmelte der Lehrer. 157