Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 172)
- Language
- German
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„Na ja", sagte das Mädel, „sonst hätte der blinde Isaak doch gleich beim Essen spüren können, daß er kein Wildbret bekommen hat." Der Lehrer schlug die Hände zusammen: „Unsinn' Unsinn! Das ist doch ganz egal, wie Ziegenfleisch schmeckt . . .!" „Ich meine nur", sagte das Mädchen und wollt8 sich rechtfertigen, „weißt du, ich meine nur . . . weil dann der Isaak gleich gewußt hätte, daß der Jakob ihn anschwindelt." „Anschwindelt . . .?" jammerte der Lehrer und blickte ein Kind nach dem andern mit schmerzerfüllten Augen an. „Anschwindelt? Jakob, der Erzvater? Ein Betrüge1" sagst du?" Er wandte sich zu dem Jungen. Und beide kop'' schüttelnd betrachtend, rief er: „Was seid ihr für schlimme Kinder!" Aber die Kinder beharrten auf ihrer Meinung. Sie waren erschrocken, sie halten Angst, und sie waren be* reit, in Tränen auszubrechen, doch sie blieben bei ihrer Auffassung. T f „Er hal doch den Esau um den Segen betrogen druckste der Junge hervor. Und das Mädchen erklärte ei"' fach: „Die Handschuhe aus Ziegenfell, das war doch ein Schwindel!" Jetzt versuchte es der Lehrer mit der Rührung. „Kinder", begann er weich, „bedenkt doch, Jakob' Versteht ihr mich denn nicht? Der Liebling Gottes! 0et Patriarch! Aber, Kinder . . . der gute, sanfte, fronirne Jakob . . . darf man denn so was von Jakob sagen? Solch6 häßliche Worte? Das Mädchen brach ohne weiteres in Tränen aUS' Doch unter Schluchzen rief sie: „Warum hat er denn gelogen?" 158