Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 170)
- Language
- German
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„Er hat eben trotzdem Hunger gehabt", murrte der Lehrer beleidigt und setzte dann entschieden hinzu: „Wenn es hier steht, wird es doch wohl auch wahr sein. „Natürlich", bekräftigte der Junge. Er war eingeschüchtert, aber nidit befriedigt. „Nicht wahr, Herr Lehrer?" redete nun der Vater dazwischen, „der alte Isaak ist ja nicht im Sterben gß' legen, als er seinen Sohn in den Wald schickte?" Der Lehrer blickte erstaunt den Vater an. Der aber sprach nun sachlich und ruhig zu dem fragenden Junge" weiter: „Der alte Isaak war nidit krank, verstehst du? Nur sehr alt. Und deshalb wußte er, daß er bald sterben werde. Begreifst du das? Na also. Und deshalh woll'e er seinen Sohn segnen, solange er noch Zeit dazu bc saß und solange ihm noch Kraft blieb, die rechten Segens' worte zu finden. Das leuchtet dir doch ein?" Der Junge gab zu verstehen, daß ihm die Sache jetzt fabelhaft begreiflich ersdieine und der Vater fügte hinzu: „Das Segnen sollte ein rechtes Familienfest werde0' so etwa wie ein Geburtstag, weißt du? Darum verlangt Isaak, daß ein guter Braten gerichtet werde." Die Angelegenheit schien geordnet. Da warf das Maddien dazwischen: „Du, Herr Lehrer." Der Lehrer sah sie streng an. Er hatte es nic^ gern, daß die Kinder „du" zu ihm sagten, hatte sich in diesem Punkt nur widerstrebend dem Wunsdie des Vater8 gefügt, der ihm begreiflich gemacht halle, daß die Kindef alle Leute duzten und daß es einstweilen dabei bleibe" solle. Aber so oft soldi eine Anrede kam, war der Lehr^ doch wieder gekränkt. Das Mädchen sagte: „Du, Herr Lehrer, was für ei" Wildbret hat der Esau geholt?" t