Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 169)
- Language
- German
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Die Kinder lachten wieder laut heraus, weil der yater gesagt hatte: „Wenn ihr erlaubt." Und sie zogen 'hn mit sich fort. Der Religionslehrer war mürrisch und nervös. Er dachte ein Gesicht, als habe ihn jemand beleidigt. Aber der Vater kannte diese Eigenschaften und dies beleidigte Gesicht schon seit längerer Zeit, nahm es weiter nicht logisch, sondern wußte, daß der Lehrer ein gutmütiger, ltri Grunde sanfler Mann sei. Nur eben ein vielgeplagter und deshalb auch ein ungeduldiger Mensch. Und vielleicht 9uch ein wenig pedantisch. Der Unterricht nahm seinen Anfang. Die Kinder Wurden geprüft. Sie halten das letztemal gehört, wie Esau?eine Erstgeburt um ein Linsengeridit an Jakob verkauft, pabei waren sie stehengeblieben und sollten nun wiederholen. Es ergab sich, daß sie zwar nicht alles wußten, *'e das Mädel sich vorhin unterfing, aber immerhin halle der Knabe redit behalten: sie wußten das Meiste. Jetzt ^zählte der Lehrer die Geschichte zu Ende. Ganz eini eh, fast mit den Worten der Schrift, erzählte er, wie saak seinem Sohn auftrug, in den Wald zu gehen und e'n Wildbret zu erlegen; wie er es dann essen und Esau Se9nen wollte. Denn er fühlte, daß sein Tod nahe sei. Hier trat nun die erste Stockung ein. Der Knabe Verbrach den Lehrer und fragte ganz bescheiden: "Wenn er aber gefühlt hat, daß er bald sterben muß . . .?" Der Lehrer blickte gottergeben vom Buch auf und Widerte: „Was willst du denn?" I Man konnte sehen, daß der Junge mit seiner Vere9enheit zu kämpfen hatte. Aber die Neugierde in ihm *ttr doch stärker. Er stotterte: „. . . Ja, wenn er sterben muß . . . wieso hat er dann Soll'J>en Hunger . . .?" 155