Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 146)
- Language
- German
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wenig wir an dem ehrlichen Bestreben mancher Refof' matoren zweifeln wollen, die ursprünglich gewill nichts anderes anstrebten, als das Los der bisher benachteiligten Menschengruppen zum Besseren zu wenden, so liegt es doch tief in der menschlichen Natur begründet, daß aus der Einsicht, eine solche Verbesserung des Loses def einen Menschengruppe lasse sich ohne Schädigung auf der anderen Seite nicht erreichen, sich vielfach geradezu ein Bedürfnis entwickelt, diese andere zu schädigen wenn dieses Bedürfnis nicht schon a priori vorhanden war. Ressentiment, Schadenfreude, Rachsucht (als wäre» die Menschen, denen es bisher besser ging, zugleich auch allein oder doch vorwiegend schuld an der schUflf! meren Lage der Anderen) suchen auf alle Weise ihre Befriedigung; und wir erkennen bald, daß die Feind' Seligkeit gegenüber den Mitgliedern und Anhängern def gegnerischen Partei von allem Anfang an das stärker8 und echtere seelische Element bedeutet hat als dfls Solidaritätsgefühl mit der eigenen. Liebe erfüllt nur tätig ihren Sinn. Als Gelühl m sich, besonders ins Allgemeine gerichtet, als sogenannt Menschenliebe stellt sie eher einen bedenklichen Seele11' zustand vor, da sie sich dann allzu sehr an sich selb8 genügen zu lassen pflegt. Ja, mancher' Liebhaber def Menschheit glaubt schon damit genug getan zu habe]1' daß er ihr auf seine Weise schmeichelt und ihr oft kaum bewußter Verlogenheit einzureden sucht, sie sei 0U Der Haß aber bedarf keiner Aktivität, um Übles zj* bewirken. Er verqiftet die Atmosphäre einfach schon du''c t .* V ' sein Vorhandensein. Sein Expansionstrieb und seine pansionsmöglichkeit ist stärker als Expansionstrieba<l Möglichkeit der Liebe; schon darum, weil es jenem mals an einem bestimmten Objekt mangelt, das er sen 134 ) T