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Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 128

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 128 (sequence 130)
Language
German
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umher. Dann werden auch die Gestalten und Gesichter wahrnehmbar, wie sie sich im Halbkreise dem Wagen nähern. Von einem Felsengipfel sehe ich dem Vorbeimarsche zu. Ein junger, schlanker Sefarde in wallendem, langen, gestreiften, weißen Seidentalar, vor innerer Erregung glühend wie ein junger Poet, trägt die Thora, singend und nach dem Takte der Begleitmusik tanzend. So mußte König David getanzt haben in seinem Flachsgewande, als man den heiligen Schrein mit Lauten und Zilhern, Pauken und Trompeten heimbrachte. „Ein kostbar gehüteter Schatz ist airch diese Thora" — erklärt mein Begleiter — „sie ist viele hundert Jahre alt, der berühmte R. Aboab hat sie nodi verwendet und sie ist dennoch neu, als wäre sie heute geschrieben. Einst wurde sie nachts gestohlen. Da gingen die Frommen zum Grabe des R. Simons, klagten ihr Leid und siehe, des Morgens, wie sie zurückkamen, wer die Thora an ihrem Platze". Die Thorarolle ist nach sefardischem Braudi in ein silberbeschlagenes Gehäuse aus Zedernholz versperrt, nicht mit einem Mantel umhüllt, wie bei uns. Der Zug naht langsam heran. Eine Gruppe folgt der anderen, alle tragen Fahnen, Adler Biegen hoch in der Luft mit weltausladenden Schwingen und blicken verwundert abwärls. Junge Mütter sitzen auf stolzen arabischen Pferden, mit der einen Hand die Züge' meisternd, mit der anderen ihren kleinen, gelockten Junge11 furchtsam festhaltend. Abae, Kefije und Agal schmücke* in ungleichen Farben die Mutter und den kleinen, dreijährigen „Bräutigam", der in Meron mit der Thora verlobt werden soll . . . Alte Juden mit klugen Gesichtern reiten auf weißen Maultieren und grauen Eseln, die von ihren arabischen Besitzern angclrieben werden. „Jalla. Jalla I Und mit licbriiischen Melodien vermengt sich der arabische Gesang : „Belladije, belladije . . ." 118

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