Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 99

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 99 (sequence 101)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4919024-4919026--0104-4919128
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

die flammend tiefen Bilder von Floch uns ansehen wie Monumente einer leidenschaftlichen Erhabenheit. - Georg Ehrlich ist „der Graphiker" wie Josef Floch „der Maler" ist. Immer ist er zart und sensibel, einem langen Chor von „armen Kindern", Einfältigen, Narren, Heiligen gehört im tiefsten Sein auch dieses schlichte Kind mit den erschrockenen Augen an, mit den blutleeren Lippen im blassen Gesicht. (Abb. 7, Mädchenkopt, Lithographie). Eine edle Technik beglückt uns hier, eine zarte Seele, die aller jüdischen Sehnsucht, Mystik und Legende unbewußt verwandt ist. — — Ganz das Bild des schönen, bewegten Lebens, der freudigen Impression, gibt die „Vedute von Ragusa" von Fritz Gross (Abb. 9, Handzeichnung). Lebendig lockt Wirrsal von Masten, Leitern, Tauen, von Männern, die arbeiten, rudern, klettern, schöpfen, schöngebaute Kähne dazwischen uiit spitzgebogenem Kiel über flimmerndem Wasser — und die ruhigen Palazzi im Hintergrund. — — Fritz Gross kommt von der interessanten Oberfläche, von der Linie, die er fesselnd und ehrlich meistert. Sein Weg geht schön von der Erscheinung zum Wesen, von der Dekoration zur Vision. — — Von diesen jungen Künstlern in Wien fliegen wir zu dem „Kosmischen Kind" Marc Chagall, dem Russen in Paris. Ein russischer Jude sitzt mit gespreizten Beinen da, 111 Pumphosen und mit Tellermütze. Sparsam verteilt sind die paar Striche für Augen, Haar und Fiedel (Abb. 10, Judischer Geiger, Lithographie). Erinnerung aus dem russisch-jüdischen Dorf, von der Landstraße, von der Jüdischen Hochzeit klingt nach in dieser Lieblingsgestalt dßs Künstlers, die kindlich ist, so volksmäßig und voll Stil. Unter den zehn Künstlern, die wir kennen gelernt na°en, ist Chagall das wahrste „jüdische Kind" aus 91

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.